Tunnel durch Raum und Zeit

Auf den verstaubten Spuren von Dänikens:
"Stargate" von Roland Emmerich

Wenn die Deutschen anlässlich des hundertjährigen Geburtstags des Kinos zurück auf ihre eigene Filmgeschichte schauen, beginnen sie oft zu träumen. Namen wie Fritz Lang oder Friedrich Murnau bahnen sich den Weg zurück ins Bewusststein und lassen an eine Zeit denken, in der von Deutschland aus wichtige Impulse in die Filmwirtschaft hineingetragen wurden.

Dabei ist es ja nicht so, dass in unserem Land keine Regisseure oder Filmemacher leben würden, die wissen, wie man den Zeitgeschmack trifft und künstlerisch umsetzt. Nur: Wer wirklich großes Kino produzieren will, den hält es nicht lange in Deutschland. Leute wie Ballhaus oder Petersen arbeiten schon lange nicht mehr (allein) bei uns, denn bei den amerikanischen Filmproduzenten lassen sich Ideen ganz anders verwirklichen als hierzulande.

So spekulierte der Stuttgarter Regisseur Roland Emmerich seit Jahren über die Zusammenarbeit der alten Ägypter mit Außerirdischen beim Bau der Pyramiden; eine Idee, die filmisch umzusetzen ihm seit der Zeit an der Münchner Filmhochschule vorschwebt. Aber mit dem hier zur Verfügung stehenden Budget von sechs Millionen Dollar war das Projekt nicht zu realisieren.

Endlich bot ihm Mario Kassar von der kurz vor dem Konkurs stehenden amerikanischen Filmfirma Carolco einen Deal an: Er sollte für sie mit Jean-Claude van Damme „Universal Soldier“ verfilmen. Falls der Streifen ein Erfolg würde, bekäme Emmerich die Mittel für sein „Stargate“. Der Coup ging auf, aber ganz so grenzenlos war Kassars Vertrauen in Emmerich dann doch nicht: Statt in Ägypten musste Emmerich seine Gizeh-Pyramiden in der Wüste Arizonas aufbauen, und die Massenszenen waren lediglich dem Computer zu verdanken.

Die Geschichte ist simpel: Der junge Ägyptologe Daniel Jackson (James Spader) ist Anhänger der Theorie von der außerirdischen Hilfe bei der Entstehung der ägyptischen Kultur. Aufgrund der schweren Beweislast nimmt ihn allerdings an den Universitäten niemand so richtig ernst.

Nach einem Vortrag, bei dem ihm die Zuhörer scharenweise aus dem Hörsaal laufen, bietet ihm eine geheimnisvolle Dame einen Job an, wohl wissend, dass er vor dem Nichts steht. Jackson landet in einem geheimen Forschungszentrum der Regierung, das sich ebenfalls mit der Verbindung zwischen der Kultur des Altertums und außerirdischen Welten beschäftigt. Im Zentrum wird gerade eine alte Steinplatte untersucht, deren Hieroglyphen Aufschluss über die letzten Rätsel der Menschheit geben sollen.

Was Jackson nicht weiß: Längst ist bekannt, dass es sich bei der Steinplatte um ein „Sternentor“ handelt, eine Art Tunnel durch Raum und Zeit. Den Hieroglyphen ist zu entnehmen, wohin die Reise geht. Dies zu entziffern ist für Jackson kein Problem, und los geht die Fahrt in eine andere Welt – zum Planeten Abydos, der unserem alten Ägypten sehr, sehr ähnlich ist…

Emmerichs „Stargate“ ist gleichermaßen Science Fiction und Kostümfilm. Ein Bombastfilm allemal und zumindest in diesem Sinne „großes Kino“. In Amerika spielte der Film bereits am ersten Wochenende 16,6 Millionen Dollar ein. Ob Emmerich sich auch hier behaupten können wird, bleibt abzuwarten.


© Norbert Krüger; aus: Hamburger Rundschau 11/09. März 1995

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