Riesengroße Rächerin

Naiv gemachter SF-Trash:

Christopher Guests: "Angriff der 20-Meter-Frau"

Nancy Archer (Dary Hannah) ist eine junge Amerikanerin, deren Schicksal sich in nichts von dem anderer unemanzipierter Frauen Amerikas unterscheidet. Ihr Mann (Daniel Baldwin) betrügt sie seit langem, doch bei jeder erzwungenen Unterredung hofft sie erneut, er würde mit der anderen Schluß machen. und für ihren Vater, der ihre Geschäfte leitet, ist sie lediglich die dumme, geschäftsuntüchtige Unterschriftsbevollmächtigte, die nach Belieben manipuliert werden kann.

Der Film ist eine pseudo-feministische Parabel um eine betrogene Ehefrau, die dank außerirdischer Unterstützung buchstäblich über sich hinauswächst, bis sie schließlich genug Wut entwickelt, um sich gegen die sie beherrschenden Männer zur Wehr zu setzen und ihren Gatten aus den Armen seiner Gespielin zu reißen. Psychologisch spannend, technisch auf anachronistische Weise naiv.

Schon in Nathan Jurans Original von 1958 waren die Special Effects katastrophal. Dies gilt erst recht für das Remake von 1993. Christopher Guest verzichtet generös auf den Einsatz inzwischen normativer Filmtechnologie. Rückprojektionen sind ihm lieber als computerbearbeiteter Bilder, und um Nancy auf 20 Meter zu bringen, reicht es Guest vollkommen, die Bauten um sie herum auf Spielzeuggröße zu verkleinern, - ein Protest gegen die mittlerweile ins Unermeßliche gestiegenen Produktionskosten der Hollywood-Fabriken.

Leute, die im vorletzten Jahr das große Raumpatrouille-Orion-Revival gefeiert haben, werden allerdings im "Angriff der 20-Meter-Frau" auf ihre Kosten kommen.

© Norbert Krüger; aus: Hamburger Rundschau 3/12. Januar 1995

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