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Ein Nordfriesland-Roman diesmal

Kronprinzenkoog
Bildquelle: Hans-Peter Daumann / pixelio.de

Ein neuer Roman beginnt. Der Plot steht. Die Location ist gewählt. Ein kleiner Flecken zwischen Klintum und Oster-Schnatebüll, der es mir spontan angetan hat. Nordfriesische Tiefebene, irgendwo zwischen Marsch und Geest, mit Kögen, Forsten und viel Platz zwischen den Höfen.

Darin eine Bücherscheune. Eine Buchhandlung mit Antiquariat. Am Eingang ein Schild: "Wir haben ca. 80.000 Bücher vorrätig. Von manchen wissen wir sogar, wo sie stehen." Ein Pleiteprojekt - am völlig falschen Ort, mit einem Konzept aus dem letzten Jahrhundert. Einem Buchhändler, den man am liebsten tröstend in den Arm nehmen würde.

Bevor ich den Roman beginne, will ich die Gegend besser kennenlernen. Will das Setting recherchieren. Den Einwohnern begegnen. Ich besorge mir die ein oder andere Dorfchronik. Beschäftige mich mit der Geologie der Gegend. Lerne sogar ein wenig Frasch, Friesisch.

Da von diesen Recherchen nur ein sehr kleiner Teil Eingang in den Roman finden wird, erstelle ich diese Seiten. Weil ich denke, dass auch der ein oder andere Nordfriesland-Tourist mit den selben Fragen herumläuft, die mich beschäftigen. Immerhin ist der Norden Urlaubsregion Nr. 1 in Deutschland.

Für Romane gilt das Eisberg-Prinzip: 80 Prozent des Wissens sollten unter der Oberfläche bleiben. Wenn man nicht gerade vor hat, "Moby Dick" Konkurrenz zu machen, ist die meiste Recherchearbeit lediglich für den Autoren wichtig. Es ist der Background, auf dessem Rücken der Roman entsteht. Will der Autor alles weitergeben, wird die Geschichte zu langatmig. Fehlt der Background, wirkt die Geschichte flach. Im Internet ist eher Platz dafür. Dort kann der interessierte Leser spezifischer suchen. Und Antworten auf seine Fragen finden.

Das Setting soll sich der Geschichte anpassen. Da ist es gut, wenn ich es so genau wie möglich im Hinterkopf habe. Denn dann entstehen die passenden Bilder von allein. Das ist das Ziel jeder Kreativität: Die Elemente, mit denen man arbeiten will, möglichst präsent zu haben. So können sich Verbindungen von selbst ergeben, über Nacht. Das mag auf den ersten Blick wenig ökonomisch wirken, ist aber das Ergebnis der Kreativitäts-Forschung der letzten Jahrzehnte. Alles andere wirkt schnell konstruiert.