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Spaziergang im Grünen

Dijlepad

Ruhiger Sonntag. Eigentlich nehme ich mir vor, den Brüsseler Steinweg entlang zu laufen, um mir anzuschauen, wie Luppertz Löwen entdeckt haben mag. Der Tag ist noch einmal angenehm warm, trocken, nicht so heiß. Ideales Wanderwetter. Doch statt durch die Stadt zum Brüsseler Tor zu gehen, laufe ich am äußeren Wall entlang und bleibe prompt wieder an der Dijle hängen. Mein Versuch vom Vortag, an der Dijle entlang zu laufen, hatte sich ja als nicht übermäßig ergiebig erwiesen. Hier vom Wall aus kann ich tatsächlich auf Sichtweite am Fluss entlang spazieren. Erstaunlich schnell lande ich dabei am Kasteel von Arenberg. Der Weg dorthin erschien mir beim letzten Versuch noch wesentlich weiter.

Auf dem Dijlepfad gehe ich eine Weile hinter einem kleinen, runden Kerl ganz in Weiß. Er sieht gemütlich aus, und ich stelle mir vor, dass es ganz nett sein könnte, mit ihm zu plaudern. Schon dreht er sich um und spricht mich an. Völlig belanglos: wir reden über den Himmel am Horizont, über Wolkenformationen und über Spaziergänge ganz allgemein. Schnell offenbart er mir, dass er zu den Anonymen Alkoholikern gehört, die, soweit ich weiß, einen gewissen Bekenntniszwang haben. Da ich auf das Thema aber nicht einsteigen, können wir alle Selbstoffenbarungen hinter uns lassen und über Gott und die Welt palavern. Er korrigiert meine niederländische Aussprache, indem er jeden meiner Sätze bedächtig wiederholt, als denke er über deren tieferen Sinn nach. Eine sehr konstruktive Art der Konversation.

Am Waldrand lasse ich ihn zurück. Er will ein wenig stretchen, ich mache mich auf die Suche nach dem Jesuitenhof, der hier irgendwo im Egenhovenbos liegen soll. Das Gelände dieses "hof van plaisantiën" (Spielehauses) wurde im Jahr 1610 vom damaligen Jesuitenobersten Veranneman (?) gekauft. Neben dem Spielehaus gehörte auch ein Pachthof zu dem Gelände. Das ursprüngliche Gebäude wurde jedoch während eines Brandes völlig vernichtet und später neu aufgebaut. Nachdem die Jesuiten 1773 verboten wurden, ging das Gelände an den damaligen Staatssekretär von Löwen, Stas. Heute ist es im Besitz des Dreifaltigkeitskollegs von Löwen. Es wird für Besinnungstage und Freizeiten genutzt.

Dies sind nicht die letzten Spuren der Jesuiten, auf die ich heute treffe. Über den Rotspoel gehe ich nach Egenhoven und stolpere über einen kleinen, ungepflegten Park, der sich „Jesuitenpark“ nennt. Hoch gelegen über der Stadt mag er einmal ideal zum Flanieren gewesen sein. Mittlerweile jedoch ist er stark zugewachsen. Die Wege liegen voller Laub. Nur ein paar Sportanlagen zeugen davon, dass er überhaupt noch in Gebrauch ist. Das Gebäude, das an den Park grenzt, gehört ausgerechnet der Fakultät für Evangelische Theologie, die ich damit auch endlich gefunden habe.

Ich laufe weiter in Richtung Vogelzang und Gasthausberg, wo sich die Uniklinik Löwen befindet. Oberhalb der Klinik ist ein künstlicher Hügel aufgeschüttet, der wahrscheinlich den höchsten Punkt der gesamten Umgebung markiert. Zwar kann man hinauf, doch ist die Aussicht auf Löwen größtenteils verbaut. Dafür ist der Blick frei in Richtung Egenhoven mit seinem Kasteel und auf die Hügellandschaft in Richtung Brüssel. Einem schreiend orangen Sonnenuntergang entgegen laufe ich die Terbankstraat entlang, die durch abgeerntete Felder führt und teilweise zum Hohlweg wird. Der schönste Spazierweg, den ich bisher gefunden habe. Er führt über den Gasthuisberg zum Ijzerenberg.

Ursprünglich hatte ich vor, durch den Galgeveld und den Mollekensberg zurück in die Stadt zu gehen. Mittlerweile aber ist es dunkel geworden, so dass ich darauf verzichte, mich im Wald zu verirren. Statt dessen werde ich mich der Stadt nun wirklich so nähern, wie es einst Luppertz getan haben mag. Vom Ijzerenberg geht es den Brusselsesteenweg nur noch bergab bis zur Brusselse Poort. Wobei der Blick auf die Stadt doch sehr eingeschränkt ist. Zum einen ist der Vorort Diependaal, durch den ich muss, sehr zugebaut, zum andern quert die A2 den Weg, und die ist auf Höhe des Brusselsesteenwegs ein wenig höher gelegt. Erst nach der Autobahn, schon recht dicht am Brüssler Tor, ist der Blick wirklich frei auf die Stadt.

Vom Tor geht es weiter bergab, bis hinunter zur Dijle. Hier komme ich auch am alten Gasthuis, dem ehemaligen Hospital an der Romaanse Poort, vorbei (früher hießen die Hospitäler in Belgien 'gasthuis', nicht ziekenhuis'). Ich hatte am Freitag noch mit einem der Betreuer der Ausstellung „In Godsnaam!“ über das Haus geredet, ist es doch eines der ältesten überhaupt in Löwen: es datiert auf 1218-1222, wobei das ursprüngliche Sint-Elisabethgasthuis bereits 1080-1090 gegründet wurde. Dort, wo heute die Brasserie Improvisio sitzt, wurden gegen 1550 36 Kranke durch 29 Krankenschwestern versorgt, ein ganz passabler Schlüssel. Dazu kamen 3 Priester und 19 Personen Dienstpersonal, darunter ein Metzger, ein Schuhmacher, ein Gärtner, ein Zimmermann und ein Portier. Außerdem ein Brauer. Vielleicht nicht schlecht, bestand doch die einzige Betäubung zu jener Zeit aus einem guten Schluck Alkohol.