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Wandertag

Abdij van Park, Herverlee

Samstag Mittag. Nachdem ich gestern den ganzen Tag in meinen neuen Halbschuhen herumgelaufen bin, jenen, die so wundervolle Blasen fabrizieren, will ich heute zur Entspannung wieder in meine Wanderstiefel steigen. Mit einem gemeinen Kracks reißt das Schuhband. Wo bekomme ich Samstagmittag neue Schuhbänder her? Was heißt „Schuhband“ auf Niederländisch? Bevor ich aufs Geradewohl die ganze Stadt nach einem Schuhmacher durchsuche, begebe ich mich wieder zum Allzweckwunder Delhaize an der Naamse Poort. Und natürlich haben sie welche in der nötigen Länge. Außerdem kann ich hier gleich meine Wochenendeinkäufe erledigen.

Mein zweiter Anlauf, die Wander-Ausstellung „In Godsnaam!“ in der Parkabtei zu besichtigen. Diesmal hat sie tatsächlich geöffnet. Die Ausstellung ist informativ, aber übersichtlich. Die Exponate sind durchnummeriert, und viel weiter als bis zu 55 geht es nicht. Dazwischen einige Exponate einer lokalen, ständigen Ausstellung der Abtei. Sie verschaffen der Ausstellung ein gewisses Lokalkolorit.

Eine Reproduktion fasziniert mich besonders. Es ist der Stundenplan des Jesuiten-Kollegs von Brügge aus dem Jahr 1575, in Latein und Griechisch. Als Kommentar heißt es dort: „Dieses Dokument bietet Informationen über das Lehrprogramm (Lesungen und Tageseinteilung) der drei Klassen des Jesuiten-Kollegs, das am 12. März 1575 eröffnet wurde. Es ist von daher ziemlich außergewöhnlich, weil es 24 Jahre vor dem eigentlichen universellen Lehrplan der Jesuiten, dem sogenannten Ratio Studiorum aufgestellt wurde. Die Ausbildung im Brügger Jesuiten-Kolleg bildet dann noch eine Fortsetzung einer untergeordneten Lateinischen Ausbildung an der Kapitularschule von Sint-Donaas.“

Außerdem in der Ausstellung ein Porträt Frans van Vlierdens, der 1583 – 1601 Abt der Parkabtei war. Leider finde ich dieses Bild im Ausstellungskatalog nicht wieder.

Ich unterhalte mich eine Weile mit einigen der Betreuer der Ausstellung. Wir reden über das Ausstellungskonzept und die Anpassungen an die hiesige Situation. Viele der Exponate haben einen speziellen Bezug zu Flandern, was ich persönlich sehr angenehm finde. Bei dem Gespräch erfahre ich, dass einer der Studenten, die hier helfen, gerade an einer Magisterarbeit über die Jesuiten in Flandern während des Spätmittelalters sitzt. Ich liebe solche Zufälle. Natürlich lasse ich mir sofort seine Telefonnummer geben.

Das Anwesen der Jesuiten in Herverlee

Weil ich nun schon einmal in Heverlee bin, mache ich mich auf die Suche nach dem Jesuitenarchiv in der Waversbaan. Vom Stadtplan her weiß ich, dass das Gelände größer sein muss und über eine eigene Kirche verfügt. Als ich dann davor stehe, bin ich trotzdem überrascht. Ich hatte mit einem kleinen Park gerechnet. Was aber zunächst auffällt, ist der riesige Gebäudekomplex. Ohne telefonische Voranmeldung werde ich da nichts, wird mir klar. Ich hebe mir den Jesuiten-Park für einen späteren Besuch auf und ziehe zunächst weiter.

Unterhalb des Anwesens, an der Dijle gelegen, befindet sich das alte Schloss von Arenberg. Erbaut im 16. Jahrhundert, wie ich später recherchierte, aber immer wieder erweitert und verändert. In dem kleinen Park vor dem Schloss sonnen sich die Studenten. Wasservögel aller Art halten einen friedlichen Dialog mit den Besuchern, von deren mildtätigen Gaben sie sich ernähren. Neben dem Schloss finde ich eine alte, sehr fotogene Wassermühle.

Die Dijle im Egenhovenbos

Mein Vorhaben, eine Weile am Lauf der Dijle entlang zu laufen, erweist sich als schwieriger als gedacht. Zwar existiert ein Dijlepfad. Doch dieser verlässt schon bald den Lauf des Flusses und führt mitten in den Wald von Egenhoven. Auch sehr schön, aber nicht das, was ich ursprünglich vorhatte. Einmal noch, am Rand der Autobahn, gelingt es mir, in Foto-Nähe vom Fluss zu gelangen. Schon der nächste Versuch der Annäherung endet im Moor. Da es in der letzten Zeit viel geregnet hat, sind etliche der in der Karte eingezeichneten Wege unpassierbar. Ich versinke mit meinen Wanderstiefeln bis zu den Knöcheln im feuchten Untergrund und gebe schließlich auf.

Den Rückweg von Alt-Herverlee trete ich mit der Bahn an. Ein pittoresker kleiner Bahnhof, voller Sonnenblumen. Hinter dem backsteinernen Bahnhofsvorsteherhäuschen geht orange leuchtend die Sonne unter. Da es keine Fahrkartenautomaten gibt, soll ich mich beim Einsteigen beim Schaffner melden, heißt es auf einem Hinweisschild. Aber dieses Schild scheint aus einer anderen Zeit zu stammen. Der Zug, der schließlich hier ankommt, ist ellenlang – von einem Schaffner nichts zu sehen. Ich steige ein und fühle mich wie ein Schwarzfahrer, zumal in dem Augenblick, als der Schaffner aufkreuzt und meine Karte sehen will. In meinem Reiseführerniederländisch bitte ich um die Ausstellung eines Fahrscheins. 1,70 Euro kostet der Spaß. Tragbar