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Archive und eine Abendrunde

Die Uni-Bibliothek Leuven

Wirklich schon Mittwoch Abend? Während die erste Woche voller Eindrücke und Erlebnisse war, verfliegt diese Woche, als wäre ich gar nicht im Urlaub, sondern zu Hause in meiner Routine gefangen.

Die Archivtage waren sehr ergebnisreich. Ich hatte nicht damit gerechnet, derart viel brauchbares Material im Tabularium der Unibibliothek zu finden und bin von der Fülle ein wenig überwältigt. Anfangs hatte ich noch mit meinem Notizbuch gearbeitet, dann den Laptop mitgenommen und online gearbeitet. Als mir die Zeit knapp wurde, fing ich an, wie wild Dokumente zu kopieren. Wie soll ich das alles sichten und auswerten? Dazu kommt, dass ich in den nächsten Tagen noch Termine mit Leuten vereinbart habe, die am gleichen Thema arbeiten oder gearbeitet haben. Und außerdem warten noch zwei weiteren Archive auf mich, von deren Existenz ich bis dato nichts wusste. Mit anderen Worten: die Zeit läuft mir davon. Oder drücken wir es positiv aus: genug Arbeit für einen nächsten Besuch in der Stadt gibt es sicherlich.

Da ich tagsüber brav über Büchern und Dokumenten sitze, bleiben mir für meine Ausflüge nur die Abendstunden. Zum Glück hat das Wetter in den letzten Tagen mitgespielt. Tagsüber kann es gern herunter prasseln. Durch die Buntglasfenster des Tabulariums (so nennt sich das historische Archiv der Uni) sieht selbst so ein Gewitter wie das von heute Nachmittag ganz gemütlich aus. Ich konnte durch die Scheiben nicht genau erkennen, ob die großen Flocken Hagel oder Schnee waren. Für Schnee fiel es zu schnell, für Hagel war es zu groß. Ich war froh, drinnen zu sitzen und nur durch den plötzlichen Temperatursturz ein wenig am Wetter teilzuhaben. Heute Abend, obwohl weiterhin Regen und Gewitter angekündigt waren, blieb es weitgehend trocken. Statt erneut die Außenbezirke abzuklappern, um so ein wenig mehr von Löwen kennen zu lernen, habe ich lieber die Adresse für den Termin morgen früh gesucht. Es gibt nichts blöderes, als bei wildfremden Leuten zu spät aufzutauchen, weil man sich in der Stadt nicht auskennt.

Auf dem Rückweg landete ich im Menschengewimmel. Noch nie habe ich die Stadt so voller junger Leute erlebt. Auf dem alten Markt lief Open-Air-Kino, "Little Miss Sunshine" von Jonathan Dayton und Valerie Faris. Die Stadt quoll über. Ganz im Gegensatz zu gestern, wo ich abends kaum jemanden auf der Straße getroffen habe (s. Foto). Ich weiß noch nicht genau, woran das lag. Vielleicht einfach daran, dass der alte Markt das absolute Zentrum des Studentenlebens ist, während die Regionen außerhalb des äußeren Stadtrings kaum attraktiv für Erlebnishungrige sind. Oder am Regen, der später, als ich zurückkam, doch noch einsetzte.

In den Nachrichten verfolge ich gebannt die Ereignisse in Myanmar. Heute hat das Militär zum ersten Mal Schüsse abgegeben, um die friedlichen Demonstranten einzuschüchtern. Keiner weiß, wann Blut fließen wird. Aber es ist abzusehen, dass es dazu kommt. Ein wenig plagt mich mein schlechtes Gewissen, hier Urlaub zu machen, statt aktiv zu werden. Immerhin hänge ich in der Koordination des Südostasiennetzwerks von amnesty international. Bleibt mir nur, mich nicht so wichtig zu nehmen. Es geht auch ohne mich.