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Ab in die Archive

Seit heute bin ich Besitzer eines Ausweises der Uni Leuven. Da mich eine Tageskarte 5,- Euro kostet, ein Jahresausweis aber nur 25,- Euro, brauchte ich nicht lange zu rechnen. Denn nicht nur in der nächsten Woche, sondern wahrscheinlich noch auf dem ein oder anderen weiteren Trip nach Leuven werde ich die Archive plündern. Außerdem ist so ein Ausweis auch ein nettes Symbol.

Blöderweise ist die Bibliothek heute wegen einer Personalversammlung nur bis Mittag geöffnet. Ich habe gerade Zeit genug, all die Formalitäten zu erledigen, im verschlungenen Gemäuer das Tabularium mit der Special-Collectie Universiteitsgeschiedenis zu finden und ein wenig mit der Bibliothekarin zu quatschen, die meiner Recherche recht skeptisch gegenüber steht: Ein ganzer Raum voller Bücher über die Geschichte der Uni, und darin will ich meine Informationen über jene wenigen Jahre finden?

Da ich nun den Nachmittag unverhofft frei habe, besuche ich noch einmal meine Lieblingsbuchhändlerin vom Davidsfonds in der Blijde-Inkomststraat. Ihr strahlendes Lachen hatte mir schon vorgestern den Tag versüßt. Und da ich noch auf einen interessanten Titel des Verlags Davidsfonds gestoßen bin, nutze ich die Gelegenheit, mir bei ihr eine weitere Portion Sonne abzuholen. Sie will versuchen, das Buch zu bestellen und verspricht, mich auf jeden Fall anzurufen.

Anschließend wandere ich weiter zum Castrum, der christlichen Buchhandlung in der Keizerbergsabtei. Explizit christliche Literatur über jene Zeit finde ich dort nicht, leidiglich das, was der Davidsfonds herausgegeben hat. Als ich mich mit dem Pater über mein Anliegen unterhalte, kommen wir auf die Musik jener Zeit zu sprechen. Wir gehen gemeinsam sein CD-Archiv durch, und er nimmt sich die Zeit, mit mir in etliche Scheiben hineinzuhören. Dabei stoße ich auf eine CD, die vor zwei Jahren beim Festival "Townscape – Soundscape/Sounds of Louvain from the 16th century" in Leuven aufgenommen wurde: "Clemens non Papa, priest and bon vivant". Ich hatte bereits verschiedene CD-Läden in der Innenstadt nach der Scheibe abgesucht. Aber die Verkäufer konnten mir höchstens anbieten, die Aufnahme zu bestellen - mit ein bis zwei Wochen Lieferzeit. Die Aufnahme enthält einen bunten Mix sakraler und weltlicher Musik aus jener Zeit, schön zu hören. Und wahrscheinlich hat ja auch mein Luppertz die ein oder andere Melodie geträllert, als er sich auf die Suche nach Janneken machte.

Der Pater, der mir die Platte verkauft, empfiehlt mir noch ein paar andere CDs aus jener Epoche. Wir hören eine Weile in die Motetten von Thomas Tallis hinein, und ich bin sofort begeistert. Reine Vokalmusik, sehr sphärisch, ruhig, ideal zum Entspannen. 

In einem Anfall geistiger Regsamkeit frage ich den Pater, ob er weiß, wo hier in Leuven die Jesuiten zu finden sind. Er denkt einen Moment nach und schreibt mir dann eine Adresse auf. Ebenfalls in Fußentfernung von meiner Wohnung, in Heverlee. Als ich die Adresse später am Abend nachrecherchiere, entpuppt sie sich als die des Jesuitenarchivs von Belgien. Mal sehen, ob ich mit dem dortigen Torwächter warm werde.

Bevor ich nach Hause gehe, um meinen knurrenden Magen zu beruhigen, setze ich mich noch eine Weile in den Stadtpark, das Wetter genießen. Denn über meine Archivforschung hätte ich fast den ersten richtigen Sommertag hier in der Stadt verpasst. Es ist warm, keine Wolke am Himmel, und jeder, der es sich einrichten kann, ist auf den Straßen unterwegs. Selbst die neuen Erstsemester genießen ihre Orientierungseinheiten zumeist im Freien. Dabei hatte der Wetterbericht Wolken angesagt.