Startseite | Impressum | Kontakt | Sitemap

Der zweite Tag in Leuven (Löwen)

Allee zwischen Naamse Poort und Park Poort im Süden Leuvens

Habe bestimmt zehn Stunden geschlafen. Das war ein anstrengender Tag gestern. Alles tat mir weh. Höllischer Muskelkater in den Beinen. Am rechten Fuß eine Blase, größer als ein Zwei-Euro-Stück. Der Schritt entzündet durch die nasse Hose, die stundenlang gegen die Schenkel rieb. Während ich im Bett liege und den gestrigen Tag Revue passieren lasse, wird mir klar, dass ich nicht nur auf Recherche, sondern auch im Urlaub bin. Meine dämliche „Ich will alles sofort“-Mentalität tut mir nicht gut. Sie reibt mich auf, im wahrsten Sinne. Ich reibe mich auf.

So lasse ich den Vormittag ruhig angehen. Frühstücke gemütlich. Starte dann meine erste Fotostrecke durch Leuven. St. Quentin, der alte Beginenhof, an der Dijle entlang, dann rüber zum Karteuser-Kloster. Ich finde ein paar Reste der alten Stadtmauer, die gerade restauriert werden. Vieles ist abgesperrt, kaum schöne Bilder zu machen.

Ein paar Buchhandlungen und Antiquariate klappere ich noch ab. Alle zucken sie nur die Schultern. Nein, Bücher über Leuven, das alte Leuven gar, haben sie nicht. Als ich Maria Jacques erwähne und ihren zweiten historischen Löwen-Roman, „De vrouwen van het hof“, bekomme ich einen entscheidenden Tipp. Der Kinderbuchladen in der Blijde-Inkomststraat 77 ist gleichzeitig Verlagsbuchhandlung des Davidsfonds, jener Edition, welche die Bücher Jacques herausbrachte. Dort ist man sehr freundlich. Nein, das Buch sei ja schon älter und nicht mehr lieferbar. Sie würden sich aber umhören, ob noch irgendwo ein Exemplar aufzutreiben sei und mich dann anrufen. Gut, dass ich mein Handy dabei habe. (Später erst erfahre ich, dass sich die Buchhandlung Peeters in der Bondgenotenlaan 153 nahe dem Bahnhof auf Bücher über Leuven spezialisiert hat. Dort finde ich ein ganzes Regal mit Titeln über die Geschichte und Gegenwart der Stadt.)

Unterwegs fragt mich einer der neuen Studenten, ob ich wüsste, wo hier ein Aldi sei. Ich verweise ihn auf meinen Fund vom Vortag, Delhaize, aber er ist wenig überzeugt. Später recherchiere ich im Internet, dass es hier in Leuven tatsächlich sowohl Aldi als auch Lidl gibt. Ein Aldi-Markt befindet sich sogar ganz in der Nähe meiner Wohnung, in der Weldadigheidsstraat 58. Mein Versuch, die dortigen Einkäufe mit der Karte zu zahlen, scheitern allerdings gnadenlos. Die Kasse ist nicht EC-Karten-kompatibel. Langsam muss ich mir echt Gedanken machen, wie ich an Bargeld komme. Auch der Bankomat, an dem ich vorbeikomme, spuckt meine Karte empört wieder aus, lässt für ca. 1 Sekunde einen Kommentar aufblitzen, den ich so schnell nicht entziffert bekomme. Die Vorstellung, schon nach wenigen Tagen ohne Bares hier festzusitzen, gefällt mir überhaupt nicht. Eine gewisse Panik macht sich breit. Im Internet recherchiere ich eine Liste sämtlicher Bankautomaten von Leuven, dazu die Adresse der Deutschen Bank. Eine AmEx-Filiale gibt es hier blöderweise nicht, wie ich feststellen muss. Allerdings ein paar Läden, in denen ich notfalls mit Amex bezahlen kann.

Als ich endlich bei der KBC Bank Mgr. Ladeuzeplein 15, dem Platz vor der Uni-Bibliothek, einen normalen Bankautomaten gefunden und er mich anstandslos mit Bargeld ausgestattet hat, bin ich erleichtert ohne Ende. Nun sind alle Probleme gelöst. Mein Laptop hat sich mit dem hiesigen Steckersystem ausgesöhnt; ich habe mir ein Internetkabel besorgt, weil meine Bude zwar Internet, aber kein WLAN hat, wie ich ursprünglich annahm. Geld habe ich auch, dazu einen Stadtplan und das nötige Basiswissen über günstige (und alternativ auch exquisitere) Einkaufsmöglichkeiten. Sag noch mal einer, ich käme nicht zurecht.

Als ich abends im Donatuspark sitze, vor mir von einem Spot erleuchtet ein alter Wehrturm des inneren Stadtwalls, legt sich die Anspannung der ersten beiden Tage. Eigentlich steht einem schönen, entspannenden Urlaub nun nichts mehr im Weg.