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Die Rolle der deutschen Truppen 1580 in Löwen

Ist es bereits schwierig, detailliertes Material über die Rolle der spanischen Truppen speziell in Löwen während des niederländischen Freiheitskampfs zu finden, ähnelt die Informationsbeschaffung über die deutschen Truppen einer Art Stecknadelsuche im Heuhaufen. Nichtsdestotrotz waren sie da, die Deutschen.

Bereits in der Übersicht De Universiteit te Leuven 1425 ~ 1985 wurde mit einem Nebensatz erwähnt, 1580 sei es in Löwen zu einer Meuterei deutscher Truppen gekommen, die aufgrund ihres ausbleibenden Solds mit Brandschatzungen begonnen hätten. Zunächst glaubte ich noch an eine freudsche Fehlleistung des Biografen, eingedenk der Rolle der Deutschen im Zweiten Weltkrieg, in dem sie nicht nur an der Tiense Poort und am Kanal verheerend gewütet, sondern auch - nachdem diese gerade erst von den Schäden des ersten Weltkriegs restauriert war - die Bibliothek der Uni in Brand gesetzt hatten.

Dann jedoch stieß ich in Friedrich Schillers Schrift "Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung" (Buch 3: Öffentliche Predigten) auf folgenden Absatz. Er behandelt das Jahr 1566, die Zeit der ersten Geusenaufstände, als der Staatsrat noch hoffte, mittels einer Resolution an den König Frieden im Land wiederherstellen zu können.

Sobald dem König [Philipp II.] diese Resolution seines Staatsrats vorgelegt worden, war sein Erstes, dass er an den vornehmsten Plätzen des Königreichs und auch in den Niederlanden öffentliche Umgänge und Gebete anzustellen Befehl gab, um die göttliche Leitung bei seinem Entschluss zu erflehen. Er erschien in eigener Person im Staatsrat, um diese Resolution zu genehmigen und sogleich ausfertigen zu lassen. Den allgemeinen Reichstag erklärte er für unnütz und verweigerte ihn ganz; verpflichtete sich aber, einige deutsche Regimenter in seinem Solde zu behalten und ihnen, damit sie desto eifriger dienten, die alten Rückstände zu bezahlen. Der Regentin [Margarethe von Parma] befahl er in einem Privatschreiben, sich unter der Hand und im Stillen kriegerisch zu rüsten; dreitausend Mann Reiterei und zehntausend Mann Fußgänger sollte sie in Deutschland zusammenziehen lassen, wozu er sie mit den nötigen Briefen versah und ihr eine Summe von dreihunderttausend Goldgulden übermachte.

In einer Fußnoten werden "Hopperus 92fg.95. Burgundius 287fg." von Schiller als Quelle angegeben, was auf den S. 81.84 der Ausgabe Schiller, Sämtliche Werke - Vierter Band: Historische Schriften, München, 1988 teilweise aufgelöst wird als:

Nicolaus Burgundius, Historia Belgica ab anno 1558. Gum praefatNic . Hieronym Gundlingii . Halae Magdeb . : Renger 1708 [Fundort]
Hopperius. Mémorial des troubles des Pay-bas [bei C.P. Hoynck van Papendrecht. Analecta Belgica. Band II, Haag 1743]. [Fundort]

Später fand ich eine Biografie des österreichischen Heerführers Ruprecht von Eggenberg, der unter anderem auch mit Oberst Verdugo, von dem später noch die Rede sein wird, kämpfte:

Im Frühjare 1587 war Ruprecht [...] wieder in den Niederlanden. Am 24. Mai stellte ihm der Herzog von Parma das Ernennungsdecret als Oberster eines Regiments hochdeutschen Kriegsvolks zu Fuss von 12 Fähnlein aus. Jedes Fähnlein sollte 300 Mann stark werden und die Bestallung 6 Monate dauern. Würde das Regiment vor oder nach Ablauf der 6 Monate beurlaubt, d. h. entlassen werden, so sollten die Oficiere und Knechte einen halben Monatssold Abzuggeld bekommen. Der Sold für den gemeinen Knecht war nach der in ganz Deutschland geltenden Norm mit 4 Gulden rheinisch für 1 Monat bemessen. Durch die Ernennung war Ruprecht zunächst zur Anwerbung des Regimentes verpflichtet, das ja noch nicht bestand; der Bestallungsbrief galt zugleich als Werbepatent und diesem wurde ein genaues Verzeichnis aller Aemter, Befehlshaber und Parteien und deren Bezüge beigegeben, zu deren Auszahlung sich der Kriegsherr, der König von Spanien und an dessen Stelle der Herzog von Parma, verpflichtete. Für seine Person erhielt Eggenberg 400 Gulden monatlich.

aus: Hans von Zwiedineck-Südenhorst: Ruprecht von Eggenberg - Ein österreichischer Heerführer des 16. Jahrhunderts. in: Mittheilungen, Historischer Verein für Steiermark, 26. Heft, Graz 1878. S. 88f.

Irgendwann begriff ich, dass es in damaligen Zeiten durchaus üblich war, aus den Nachbarländern Söldner oder ganze Regimenter zu rekrutieren. Insofern war es nicht verwunderlich, wenn sich während der Freiheitskriege deutsche Truppen in Löwen befanden. Übrigens kämpften die Deutschen während der Freiheitskriege nicht nur an der Seite Spaniens. So ist auf historicum.net zu lesen, auch Wilhelm von Oranien sei sehr bemüht gewesen, den bewaffneten Widerstand vom nassauischen Familiensitz in Dillenburg aus zu organisieren und habe dabei massiv versucht, neben französischen auch deutsche Truppen anzuwerben.

Bei Willem Boonen, Geschiedenis van Leuven, Leuven 1880, (p. 139ff) fand ich dann auch genauere Angaben über Personen und Ereignisse vom Frühjahr 1580:

Die Truppen in Löwen standen zu diesem Zeitpunkt unter dem Oberbefehl von Oberst Franz Verdugo, der in den Unabhängigkeitskämpfen kein ganz unbeschriebenes Blatt gewesen ist.  Verdugo war unter Margarete von Parma an der Unterdrückung des Aufstands in Antwerpen (1566) beteiligt und wurde daraufhin von Alba befördert. Er brachte es bis zum Oberst der Infanterie der Wallonie.

Das Oberkommando über die beiden deutschen Fähnlein hatte ein Oberleutnant (overste lieutenant) Melchior Schijven.

Die beiden deutschen Fähnlein selbst wurden von den Hauptmännern Lazarus Halder und Hans Ingelbert geführt. Das ist deswegen relevant, weil Ingelbert in der Korrespondenz Margarete von Parmas mit Philip II. mehrmals erwähnt wird. (Hier also wieder die oben bereits erwähnte Verbindung mit der Order Philips an Margarete, sich in Deutschland mit zusätzlichen Truppen auszustatten.)

Zur Revolte kam es am 6. April 1580. Da den Soldaten der ausstehende Lohn vorenthalten wurde, liefen sie beinah in alle Klöster und Bürgerhäuser und nahmen sich, was ihnen zustand: Brot und andere Esswaren. Wahrscheinlich blieb es nicht dabei, plündernde Soldaten waren noch nie zimperlich. Ich hatte oben ja bereits erwähnt, dass in Zusammenhang mit diesen Plünderungen auch von Brandschatzungen in Löwen berichtet wurde. Der Gouverneur und seine Hauptmänner ließen es geschehen, da die Soldaten ohne Sold und Geld versorgt werden mussten.