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Die Preisrevolution

Als die Spanier Amerika entdeckten, begannen sie bald, das dortige Gold mithilfe von Sklaven abzubauen. Damit leiteten sie eine enorme Geldentwertung ein. In der ersten Hälfte des 16. Jhdts. verdoppelten sich in Europa die meisten Preise, ohne durch Lohnerhöhungen aufgefangen zu werden. Dementsprechend verarmte das Proletariat. Tibor Wittmann führt an, zwischen 1500 und 1580 habe sich der Preis für Weizen um 500% erhöht, der Preis für fünf weitere landwirtschaftliche Produkte sei in diesem Zeitraum um 445% gestiegen, während der Lohn eines Maurers lediglich um 185% zugenommen habe. Gleichzeitig sei der Pachtpreis des Bodens um 750% gestiegen.

"Der Lebensstandard der Arbeiter sei nur durch einige Beispiele illustriert. In Löwen verdiente ein Arbeiter im Jahre 1546 1 1/2 bis 2 Patard täglich (bei einer angespannten Arbeit von 10 bis 14 Stunden). Für diese Summe konnte er 5 bis 6 Kilo Brot kaufen. Hier muss berücksichtigt werden, dass die Löhne der Arbeiter noch eher erhöht wurden als die der Handwerker. Außerdem darf man nicht vergessen, dass der Arbeiter - wenn er überhaupt Arbeit hatte - von dem geringen Lohn nicht nur sich selbst, sondern auch seine meist recht große Familie zu ernähren hatte."

Steuerpolitik des Absolutismus

Irgendwie musste Karl V. seinen ewigen Zwist mit Frankreich bezahlen. Seine Lösung war nicht übermäßig originell: er erhöhte die Steuerlast. Allein die Niederlande musste ihm zwei Millionen Gulden zahlen. Das war so viel, wie Spanien, die italienischen Gebiete und die neuen amerikanischen Kolonien zusammen. Was daran lag, dass die Niederlande durch ihren florierenden Tuchhandel zu den reichsten Ländern jener Zeit gehörte. Aber wie immer litten vor allem die armen Bevölkerungsschichten unter diesen zusätzlichen Steuern. "Eine außerordentliche Steuer nach der anderen wurde ihr auferlegt... Die unpopuläre Steuerpolitik bildete eine der Hauptursachen für den Genter Aufstand des Jahres 1539." (Wittman a.a.O.)

Die Getreidekrise

Der dritte Faktor, der in der Gesellschaft der Niederlande eine explosive Spannung entstehen ließ, ist die Getreidespekulation,

"die besonders in Flandern, Brabant und Lüttich das Volk verbitterte. Die Getreideversorgung der übervölkerten Gebiete machte beträchtliche Schwierigkeiten. Die heimische Produktion reichte nicht aus, man war auf Einfuhr angewiesen. Die Getreidehändler spekulierten mit den Preisen, die sie besonder in der Zeit vor der Ernte anhoben. (Eines der Hauptzentren der Getreidespekulation war Gent.) Die Bevölkerung der kleinen Niederlande betrug im 16. Jhdt. 3 Millionen, und ein großer Teil dieser Bevölkerung musste mit Getreide versorgt werden. Die Bevölkerungsdichte schätzt man für Brabant zu Beginn des Jahrhunderts auf 50 Einwohner pro Quadratkilometer (...)

Die Möglichkeiten für Kettenhandel und Getreidespekulationen wurdden noch durch andere Schwierigkeiten vermehrt, in erster Linie durch das Ausbleiben der Getreidelieferungen aus dem Baltikum infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Dänen und anderer politischer Ursachen. Als die Seewege über die Nordsee gesperrt wurden, kam es in den nieerländischen Großstädten zu einer ausgesprochenen Hungersnot, die revolutionäre Bewegung und Aufstände hervorrufen konnte. Der Ausbruch der Revolution - der Bildersturm - stand in engem Zusammenhang mit der Blockade der Jahre 1565/66 und der darauf folgenden Verteuerung des Getreides."

Zitate aus: Tibor Wittmann: Das goldene Zeitalter der Niederlande, Koehler & Amelang 1975, S. 17ff