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Humanismus in Leuven

Erasmus von Rotterdam, 1496 - 1536

Für den niederländischen Humanismus war Erasmus von Rotterdam eine zentrale Figur. So wie die Niederlande insgesamt immer wieder eine vermittelnde Rolle zwischen so gegensätzlichen Regionen wie dem damaligen Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, Spanien und England einnehmen musste, zeigte sich auch im Humanismus Erasmus'scher Prägung die Vermittlung zwischen den großen nationalen Kulturen als bestimmendes Merkmal. Während bis dahin vor allem die italienische Renaissance die Erneuerung des Denkens bestimmte, war Erasmus von England und Thomas Morus fasziniert, mit dem er im ständigen Gedankenaustausch stand.

In einem Bericht über die Universität Leuven heißt es: "Im 16. Jahrhundert wurde Löwen zu einer der Hauptstädte des Humanismus. Erasmus von Rotterdam lebte hier mehrere Jahre und bewirkte, dass 1517 in Löwen das Collegium Trilingue zum Studium des Lateinischen, Griechischen und Hebräischen gegründet wurde. Hier wurden - als wichtige Neuerung - griechische und hebräische Texte nun nicht länger in lateinischer Übersetzung studiert, sondern in ihren Originalfassungen. Das Collegium Trilingue war die erste Institution dieser Art in Europa."
aus: wikipedia, Artikel: Katholieke Universiteit Leuven

Mit seiner eigenständigen Denkweise erzeugte Erasmus Widerstand von allen Seiten: weder von den Reformatoren noch von den Katholiken ließ er sich vereinnahmen. Das ärgerte beide Seiten; die Päpste verboten seine Schriften, während Luther ihn als Skeptiker und Epikureer bezeichnete.

"Mit Rücksicht auf den Brüsseler Hof, an dem Erasmus große Achtung genoss, folgte die Löwener Universität nicht dem Beispiel der Sorbonne, die die 'Colloquia' öffentlich verurteilt hatte. Erst unter der Herrschaft Philipps II. in den Niederlanden wurden die Werke des Erasmus 1588 auf die Liste der verbotenen Bücher gesetzt. Doch bereits in den Jahren davor behandelte man die Schüler und Freunde des großen Humanisten in Löwen mit Misstrauen und Missachtung. Der hervorragende Philologe Nicolas Clenard erhielt keinen Lehrstuhl, Martin Lipsius zog sich in ein Kloster zurück, dasselbe tat Campensis. Goclenius und Rescius mussten am Drei-Sprachen-Kollegium in einer Atmosphäre des Argwohns und der Verdächtigungen arbeiten. Die Beamten, die von den Ideen des Erasmus überzeugt waren, wagten es nicht, ihre Meinung kundzutun, denn sie waren ständig von Strafverfahren und der Anklage der Ketzerei bedroht."
aus: Wittman, Das goldene Zeitalter der Niederlande, Leipzig 1975, S. 41

Bei der Argumentation Wittmans muss man sich deutlich machen, dass die Personen, die Wittman hier aufzählt, zu der Zeit, als Philipp II. die Schriften des Erasmus verbieten ließ, bereits nicht mehr unter den Lebenden weilten.

Nicolas Clenard lebte 1495-1542, Johann van Campen (Campensis) starb 1538. Conradus Goclenius (Konrad Göckel) erwähnt die Wikipedia in einem Nebensatz als Zeitgenossen von Willem Vander Steen alias Guilhelmus Lapidanus: "Na ingetreden te zijn in het benedictijnenklooster van Sint-Winoksbergen, ging Lapidanus in de jaren twintig van de zestiende eeuw studeren aan de universiteit van Leuven. Hij volgde er colleges aan het Drietalencollege en trad in contact met bekende humanisten zoals Conradus Goclenius, Cornelius Scepperus en Rutgerus Rescius."