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Der Bajus-Streit

Dies ist die Übersichtsseite über den Bajus-Streit, der Ende des 16. Jahrhunderts in Löwen (Leuven/Louvain) tobte und der letztlich zum Auslöser des späteren Jansenismus wurde. Detailliertere Informationen finden Sie auf den folgenden Seiten:

 • Ursprung und Prinzipien
 • Wirkung der Lehre
 • Reaktion des Papstes
 • Ex omnibus afflictionibus
 • Folgen des Streits

Bereits in den 70er Jahren des 16. Jahrhunderts kam es in Löwen zu einem erbitterten Streit zwischen den Jesuiten, allen voran Robert Bellarmin, und dem Theologieprofessor Michael Bajus. In der Wikipedia heißt es dazu:

1513 zu Meslin-l'Évêque im Hennegau geboren, wurde [Bajus] 1551 Professor der Theologie an der Katholischen Universität Löwen. Mit seinem Kollegen Hessels trug er die Augustinischen Lehren von der göttlichen Gnade vor und wurde deshalb von den pelagianisierenden Franziskanern heftig angegriffen, aber gleichwohl mit jenem 1563 als Abgeordneter zum Tridentiner Konzil gesandt.
Dann verwarf 1567 Pius V. 76 Sätze aus neueren Schriften des Bajus. Die Bulle ward indes erst dann publiziert, als Bajus, der sich gehorsam unterworfen hatte, behauptete, jene Sätze seien nicht seine Lehre. Die Universität verweigerte die Unterschrift der Bulle, und Bajus wurde 1578 sogar Kanzler derselben. Der Streit entbrannte heftiger, als Bajus 1587 mit seinen Kollegen 34 Sätze der Jesuiten als pelagianisch und unmoralisch verworfen hatte. Er starb am 16. Dezember 1589.
Seine Lehre (Bajanismus) von der Sünde, dem freien Willen und der Gnade, mit der er auch die Bestreitung der päpstlichen Unfehlbarkeit und der unbefleckten Empfängnis der Maria sowie die Behauptung verband, dass die bischöfliche Gewalt unmittelbar von Gott sei, suchte später im Jansenismus zu kirchlicher Geltung und Anerkennung zu gelangen.

aus Wikipedia: Artikel Michael Bajus

Michael Bajus

Bajus studierte in Löwen und wurde dort 1543 Professor der Philosophie und 1551 der Theologie und 1575 Dekan von St. Pierre und Vizekanzler der Universität. Auf Grund der antipelagianischen Schriften des Augustinus leugnete er in seinem Kampf gegen die scholastische Methode die Übernatürlichkeit des paradiesischen Urstandes und lehrte die völlige Verderbnis des Menschen durch die Erbsünde und die Unfreiheit des gefallenen Menschen zum Guten. Ja, Bajus leugnete sogar die unbefleckte Empfängnis der Maria und bezeichnete ihren Tod als Sündenstrafe. Die Franziskaner verklagten ihn bei der Pariser Sorbonne und erreichten, dass 18 Sätze aus den Vorträgen des Bajus von ihr verurteilt wurden. Bajus verteidigte sich, erklärte sich aber bereit, sich dem Papst oder einem Konzil zu unterwerfen. Kardinal Antoine Perrenot de Granvella, Erzbischof von Mecheln, war bestrebt, den Streit zu unterdrücken. Er erlangte von beiden Seiten das Versprechen zu schweigen und gab 1563 seine Zustimmung zur Entsendung der drei gleichgesinnten, von der Fakultät vorgeschlagenen Professoren Bajus, Johann Hessels und Cornelius Jansen zum Konzil nach Trient. Der Streit über die Sünden- und Gnadenlehre entbrannte aufs neue, als Bajus mehrere dogmatische Abhandlungen veröffentlichte. Jodokus Ravesteyn, sein Hauptgegner an der Universität, erreichte im Bund mit den Franziskanern schließlich, daß Pius V. am 1.10. 1567 in der Bulle »Ex omnibus afflictionibus« ohne Namensnennung 79 ihm denunzierte Sätze aus den Schriften des Bajus als ketzerisch, irrig und anstößig verurteilte. Bajus wandte sich 1569 in einer Apologie an den Papst. Pius V. hielt aber die Verurteilung aufrecht, und Bajus mußte abschwören. Man traute ihm aber nicht, zumal er 1575 in zwei Vorträgen die Unfehlbarkeit der Päpste bestritt und behauptete, die Bischöfe hätten ihre Gewalt unmittelbar von Gott. Um dem Streit ein Ende zu machen, verurteilte Gregor XIII. in der Bulle »Provisionis nostrae« vom 29.1. 1580 BAJUS erneut. Bajus unterwarf sich und blieb in seinem Amt als Professor und Kanzler der Universität.

aus Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon. Artikel: Bajus, Michael;
Band I (1990)Spalten 349-350 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz
http://www.bautz.de/bbkl/b/bajus_m.shtml

Das Trienter Konzil erklärte, dass die Aussagen über die alle Menschen treffende Erbsünde nicht für Maria gelten. In Frankreich musste man die Erbsündenfreiheit Marias nochmals besonders gegenüber dem Bajanismus und Jansenismus verteidigen. Papst Pius V. verurteilt 1567 die Michael Bajus zugeschriebene Auffassung, nach der niemand außer Christus frei von der Erbsünde ist, also auch Maria wegen der Sünde Adams starb und ihre Betrübnisse und Leiden Strafen für persönliche Sünden und die Erbsünde waren. Die Katechese konnte an dieser Lehrentwicklung nicht achtlos vorbeigehen.

aus: http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=10353

1567 verwarf Pius V. rd. 75 Thesen – jedoch ohne B’s Namen in seiner Bulle zu erwähnen. B. unterwarf sich, konnte jedoch bald behaupten, jene Sätze seien nicht seine Lehre, falsch zitiert oder sie widersprächen zwar den pelagianischen Franziskanern, nicht aber den Kirchenvätern. Er wurde zum Dekan, später auch zum Kanzler gewählt. 1579 erneuerte Gregor XIII. den Inhalt der Bulle seines Vorgängers, B. unterwarf sich erneut, diesmal mit dem Eingeständnis, die fragl. Thesen stammten von ihm. Er blieb Professor und Kanzler bis zu seinem Tod.
Die antischolastische Reaktion stellte sich auf den Standpunkt, die Lehre Augustins sei von den Franziskanern verdorben worden, die den Pelagianismus wiederbelebt hätten. Zentrale Streitpunkte waren die Lehre von der Erbsünde, vom freien Willen und von der göttlichen Gnade. Aus der Sicht B's (und Hessels') war die Unschuld vor dem Sündenfall (»Primitive Unschuld«) nichts Übernatürliches, sondern normale Eigenschaft des Menschengeschlechts; auch die Sünde (Lust zu Sündigen) sei dem Menschen von der Schöpfung an mitgegeben. (Daher musste er auch die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariens verwerfen!) Damit wir moralisch einwandfrei handeln können, benötigen wir keinen freien Willen, nur Freiheit von äußerem Zwang. Also könne es auch keinen wahrhaft tugendhaft handelnden Menschen geben, Tugendhaftigkeit sei nur äußerer Schein. Doch wurde die Primitive Unschuld durch Christus wiederhergestellt; dieser Gnadenakt erlaubt dem Menschen, tugendhaft zu handeln und so Meriten für die Aufnahme in den Himmel zu erwerben.
Insgesamt erscheint Bajus als typischer Vertreter der Renaissance mit einer ausgeprägten Zuneigung zum Frühchristentum, bes. zu Paulus und Augustinus, verbunden mit einem tiefgreifenden Widerwillen gegenüber den Gedanken und Methoden der Scholastiker – mit einem Wort: ein perfekter Humanist. Seine Gedanken wurden nur eine Generation nach seinem Tod aufgegriffen und in der Reformbewegung der Jansenisten verarbeitet.

aus Wikiweise: Artikel Michael Bajus
http://www.wikiweise.de/wiki/Michael_Bajus

Robert Bellarmin

Robert Bellarmin, der von 1570-76 in Löwen lehrte, wiederlegte nun in seinen Vorlesungen wiederholt die Lehren Bajus', wenn er es auch vermied, dessen Namen zu nennen. Wahrscheinlich war dies auch gar nicht nötig. Mit seinen Vorlesungen zog er jedoch notwendig den Groll der Universität auf sich, die ja sogar gegen den Papst zu Bajus hielt.

Die Auseinandersetzungen führten laut Heimbucher dazu, dass den Jesuiten jede Lehrerlaubnis an der Universität entzogen wurde. Leider nennt Heimbucher keine Jahreszahlen. Endgültig wurde den Jesuiten öffentliche Lesungen in Löwen wohl erst 1625 verboten. Das aber würde bedeuten, dass sie noch ca. 50 Jahre nach Bellarmin haben weiter unterrichten können. Ein direkter kausaler Zusammenhang wäre somit kaum vorstellbar.

Justus Lipsius

Auch Joest Lips, selbst eine illustre Gestalt, nahm eine deutlich scholastische Position ein und stellte sich damit klar gegen Bajus.

Ab 1576 hielt Lipsius in Löwen Vorlesungen. Nach dem Sieg von Don Juan de Austria über die Generalstaaten am 31. Januar 1578 ging er seiner Orthodoxie wegen nach Antwerpen, später dann nach Leiden. Dort wurde er 1578 nach seinem Konvertieren an den Lehrstuhl für Geschichte berufen. Im Folgejahr wechselte er an den Lehrstuhl für Geschichte und Jura. Neben Isaac Casaubon und Joseph Justus Scaliger wurde Lipsius zum Star dieser kalvinistischen Universität.
1581 verhöhnte er seine Gegner mit dem Pasquill Satyra Menippaea. Doch einige Jahre später, nach der Veröffentlichung von De una religione und Politicorum sive civilis doctrinae libri IV, war Lipsius unhaltbar geworden. Er verließ Leiden und reiste über Mainz nach Lüttich.
Nach seiner öffentlichen Rückkehr zur katholischen Kirche bekam er aus allen katholischen Staaten nun Lehrstühle angeboten; sogar Papst Clemens VIII. wollte ihn in den Vatikan holen. Lipsius entschied sich für seine Heimat Löwen und lehrte ab 1592 dort als Professor für Geschichte. Als solcher wurde er vom spanischen König Philipp II. zum Hofhistoriographen ernannt. Ende der 90er Jahre entdeckte er die Wachtendonckschen Psalmen, einen der ältesten altniederländischen Texte.
Durch Erzherzog Albrecht erhielt er den Titel eines Staatsrates.
Im Alter von 58 Jahren starb Justus Lipsius am 23. März 1606 in Löwen.


aus Wikipedia: Artikel Justus Lipsius

Vom Bajanismus zum Jansenismus

Der Bajus-Streit erwies sich als never ending story. Aus der Biografie des holländischen Theologen Cornelius Jansen, dem Gründer des Jansenismus, ist bekannt, dass dieser, als er 1602 in Löwen Theologie studierte, in die noch immer währenden Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern des Bajus und den Jesuiten geriet. Jansen scheint das ambitioniert zu haben. Er spitzte die Lehre des Bajus weiter zu und wurde so zum Vordenker einer philosophischen Bewegung, welche die Jesuiten bis zu ihrem Verbot 1773 (und darüber hinaus) beschäftigte.

Die Janseniten verurteilten die jesuitische Lehre, nach welcher die göttliche Gnade und die menschliche Willensfreiheit bei der Erlangung des Seelenheils zusammenwirkten. Als eine der bedeutendsten antijesuitischen Schriften gilt das 1643 erschienene Buch Théologie orale des Jesuites. Nach dem Eingreifen Richelieus in den Streit zwischen der Sorbonne, Parlament und der Gesellschaft Jesu 1624 für die Jesuiten waren die Beziehungen zwischen den ultramontanen Katholiken und dem französischen Hof nach dem Prinzip 'courting the court' immer enger geworden und die Auseinandersetzung mit der gallikanischen Sorbonne immer schwieriger. Die Jesuiten blieben auch im 18. Jahrhundert Angriffsziel der Jansenisten, die aktiv an deren Verbot in Frankreich 1764 beteiligt waren.

aus: Wikipedia, Artikel: Jansenismus