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Die Uni Löwen in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts

Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts bedeutete für Leuven von 1567 an eine Periode des Verfalls. Die hohe bürgerliche Regierung begann sich damals bereits sehr schnell in die universitären Angelegenheiten einzumischen, was sich letztlich nicht zum Nachteil der Universität auswirkte. Am 16. Januar sandte der Herzog Alba einen Brief an den Rektor der Universität, um Informationen über deren Zustand zu erlangen. Zwei Wochen später, am 31. Januar, antwortete der Rektor ausweichend, alles sei gut, es gäbe jedoch Schwierigkeiten mit der Auszahlung der Stipendien der Professoren.

Die Unannehmlichkeiten begannen 1572: die Stadt wurde durch Truppen Willhelm van Oranjes belagert; es folgte im Januar 1573 die Überschwemmung der Stadt. An der kritisch gewordenen Situation konnte 1578 der sogenannte Schutz der Stadt durch fünf Kompagnien Soldaten, die sie vor den Geusentruppen bewachen sollten, nichts ändern, denn nun plünderten die Soldaten selbst in der Stadt (5. Februar 1578), da sie keinen Sold bekamen. Schließlich vollendete die Pest von 1578-79 die Katastrophe. Zwar boten die Professoren der medizinischen Fakultät Hilfe, doch wurden sie, mit Ausnahme von Johannes Viringus, alle angesteckt und ließen dabei ihr Leben. Es wurde sehr unsicher in der Stadt, das aufwendige Leben, die Pest und die Besetzung trieben Studenten und Bürger aus Löwen, die Universität lag weitestgehend darnieder. Dazu kamen noch die Plünderungen und Übergriffe der dort gelagerten Soldaten: die Deutschen rebellierten 1580 und begannen mit systematischen Brandschatzungen. Der Schaden war enorm, nur wenige Studenten blieben noch in den Kollegien der Stadt. Der damalige Rektor, Hendrik van Cuyck, klagte am 13. Januar 1583 im Namen der Universität seine Not Papst Gregor XIII, der bereits 1580 eine Summe von zweitausend Goldstücken gestiftet hatte. In den darauffolgenden Monaten sollte die Universität noch Bittbriefe an den Landvogt Alexander Farnese und andere senden; die theologische Fakultät wendete sich, am 25. Oktober 1583, an Kardinal Antonio Caraffa.

1585 zogen die Truppen aus Leuven ab. Die endgültige Verbesserung des allgemeinen Zustands des Landes konnte erst nach der Kapitulation Antwerpens erwartet werden: am 17. August 1985. Nun konnte die Universität auf bessere Tage hoffen, aber wiederholt mussten noch Bittschriften und Memorialen an den Hof in Brüssel und an Farnese gesandt werden. In einem Brief vom 29. April 1590 jammerte Justus Lipsius: „Alles ist verfallen und vermodert: Häuser, Menschen, Schulen, Studenten, und es gibt keinen Anführer, der dies ernsthaft wieder aufbauen und herstellen will.“ Doch begann Lipsius 1592 mit seinen Kollegien, wenn auch auf dem Flur, da das Collegium Trilingue verwüstet war.

1596 wird Albrecht von Österreich der neue Landvogt der Spanischen Niederlande, und am 6. Mai 1598 verabschiedete sich Philip II. von der Herrschaft über die Region zugunsten seiner Tochter Isabella. Unter dem Erzherzog konnten Ruhe und Frieden langsam wieder hergestellt werden. Die Universität schrieb noch am 9. Oktober 1597 an den Nuntius Frangipani nach Köln: „Die Universität ist auf den Zustand reduziert, dass sie kaum ein Schatten ihres früheren Glanzes ist.“ Zwei Jahre später, am 25 November 1599, hielten Albrecht und Isabella ihre ‚Blijde Inkomst’ (ihren freudigen Einzug) in Leuven – und das war eine prächtige Feierlichkeit. Am dritten Tag ihres Besuchs führten die Studenden des De Valk-Kollegs ein lateinisches, symbolisches Theaterstück über die Wiederherstellung auf, das Andomeda Belgica dicta von Jan Baptist Gramaye. Nachmittags wohnten die Erzherzoge einem Disput der Bakkalaureaten der Theologie bei, sowie einer Lesung von Professor Lipsius über Seneka. Die Universität hatte mit den kargen Mitteln, über die sie noch verfügte, ihren Wiederaufbau begonnen.

Quelle: De Universiteit te Leuven 1425 ~ 1985, Universitaire Pers Leuven. 1988, pp. 25-27; eigene Übersetzung