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Parijsstraat et al.

Die erste Straße, auf die man weiter unten auf der Brusselsestraat trifft, ist die Parijsstraat. Das Stück der Straße, das sich von der Drinkwaterstraat bis hin zum Wolfstor, Schapenstraat, erstreckt, wird in den alten Dokumenten zuweilen Legestraat, zuweilen Ledigheidsstraat genannt. Der französische Name rue de bas (Legestraat) - tiefer gelegene Straße - zeigt perfekt die Position dieser Straße, die sich unterhalb jenes Bereichs befindet, in dem sich die Naamsestraat erhebt. Die erste Straße zur Rechten ist die Drinkwaterstraat (rue de l‘Abreuvoir); die zweite die St. Barbarastraat, die auch Kleine Straße (Petite-Rue oder Kleinstraat) genannt wurde, und in Zeiten der Republik, Rue de Lepelletier (Félix Lepelletier (1767-1837) war ein französischer Revolutionär); die dritte ist die Minderbroerstraat (frz.: rue de Récollets).
 
Zwischen der Drinkwaterstraat und der St. Barbarastraat befindet sich eine Sackgasse, die Rattemanspoort, ursprünglich benannt nach dem Stadthaus der Patrizierfamilie dieses Namens (das Haus selbst nannte sich alten Urkunden zufolge Theems oder Teemps, also Themse, worauf ich auf eine englische Herkunft der Familie schließe).

Die rue des Frères-Mineur oder Minderbroederstraat, die oft - wenn auch fälschlicherweise - rue des Récollets genannt wird, bezieht ihren Namen von einem Kloster, das 1231 von deren Brüdern (in Deutschland nur unter dem Namen „Franziskaner“ bekannt) an diesem Ort errichtet wurde. Sie führt zur Voer (Kapucijnervoer). Zur Zeit der Republik wurde sie zur rue des Sans-Culottes, eine Bezeichnung, die nach der Ankunft von Bürgermeister de Bériot am 21. September 1801 in rue de la Paix geändert wurde. Dort findet sich zur Rechten die rue au Vent oder Waaistraat, die zur St. Barbarastraat führt, und die rue de Notre-Dame (Onze-Lieve-Vrouwstraat), von der an anderer Stelle bereits berichtet wurde.

Im 14. Jh. befand sich zwischen den beiden Brücken der Minderbroerstraat eine Straße namens Haemstraat oder Ham. Sie erstreckte sich entlang der ursprünglichen Befestigungsanlage auf beiden Seiten der Minderbroerstraat: zur Rechten bis zum Garten des Hospizes, zur Linken bis zum Schleusenturm. Später bekam sie den Namen rue de Tiers-Ordre oder Derde-Ordestraat, weil sie von den Brüdern des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus bewohnt wurde. In dieser Straße, zur Rechten der Minderbroerstraat, wurde 1493 das Collège des Croisiers errichtet.Diese Einrichtung existierte bis ins Jahr 1616. Damals wurde dieser Teil der Derde-Ordestraat mit seinem Kolleg in das Franziskanerkloster mit einbezogen.

Jenseits des falschen Franziskanertors floss damals ein Bach namens het Keiken.

Auf dem Gelände, auf dem heute die Jesuitenkirche steht, wurde 1459 ein Haus errichtet, das der bekannte Maler Thierry Bouts bewohnte. Dieser große Künstler wurde 1400 in Harlem geboren. Nachdem er eine Zeitlang in seiner Geburtsstadt arbeitete, siedelte er nach Löwen um und heiratete vor 1448 eine Adlige, Catherine vander Bruggen, Tochter von Henri vander Bruggen, genannt Metten Gelde, und von Catherine van Dieven. Das Anwesen des Künstlers in der Minderbroerstraat stammt von den Eltern seiner Frau. Es bestand aus vier Gebäuden, gelegen zwischen den Gütern Everard van Winghes und dem Refugium der Parkabtei. Das größte dieser Häuser, die Wohnung des Künstlers, war ein wahrer Patriziersitz: Es war aus Stein gebaut und besaß eine Toreinfahrt, Schuppen, Brunnen, Wasserbehälter, Garten und einen Weinberg.

Thierry Bouts lebte in Löwen unter der größten Hochachtung. 1468 wurde er Maler und Porträtist der Stadt.

aus: Edvard van Even: Louvain dans le Passé et dans le Présent, p. 221f.
© 2011, Copyright der Übersetzung: Norbert Krüger