Startseite | Impressum | Kontakt | Sitemap

Wo wir in Deutschland in Bezug auf das Mittelalter von Hospitälern sprechen, reden die Niederländer und Flamen von Gasthäusern. Hospital leitet sich nämlich vom lateinischen hospes (Gastfreund/Fremdling) ab. Auf manch alten Stadtkarten wurden sie auf Latein als Xenodochia (=Herberge für Fremde) bezeichnet. Die Funktion diese Hospitäler/Gasthäuser war in beiden Ländern die gleiche: Speisung, Aufnahme und Bekleidung der Armen, Beherbergung der Fremden, Pflege der Alten und Kranken sowie Bestattung der Toten.

Gasthäuser in Löwen

Bereits im 11. Jhdt. wurden in Löwen Kranke und Reisende betreut: 1095 wird ein Gasthaus in der Nähe der heutigen St. Jacobskirche erwähnt. Es wurde auf Initiative einiger Löwener Bürger aus christlicher Nächstenliebe errichtet und durch den Priester Heriward gefördert, einem Kanonikat, das einen Teil des St. Pieter-Kapitals ausmachte. Möglicherweise verdankt das heutige St. Pieter Krankenhaus seinen Namen dem Engagement dieses Löwener Priesters des 11. Jahrhunderts. Es war eins der ältesten Gasthäuser der Niederlande.

Zwischen 1218 und 1222 wurde auf dem Gelände ein neues Gasthaus errichtet, gelegen zwischen einem Teil der heutigen Brusselsestraat, der Predikherenstraat, de heutigen O.L.Vrouwstraat und der Minderbroederstraat. Dieses Gelände wurde durch Herzog Hendrik I gestiftet und macht einen Teil des Gebiets aus, auf dem die Herzoge von Brabant ihre Burg hatten. Das Gebiet zwischen den beiden Dijle-Armen ist darum auch bekannt unter dem Namen „die Herzogeninsel“.

Ein Dokument aus dem Jahr 1218 bestätigt, dass der Herzog all denen freies Geleit ausstellte, die für den Bau des neuen Gasthauses auf der Herzogeninsel eine Sammlung durchführten oder auf Bettelzug gingen. Im Jahr 1222 verlieh Hendrik I, Bischof von Lüttich, an die Löwener Gasthausschwester die Zulassung, einen Bittplatz zu errichten zugunsten der Kranken und der Schwestern. Die Fundamente dieses romanischen Bauwerks wurden bei den Restaurationsarbeiten freigelegt, die vor einigen Jahren an der Kapelle durchgeführt wurden.

Die Schwestern und Brüder dieses Gasthauses nahmen sich zum Ziel, arme Kranke zu versorgen. Die Brüder versorgten die Männer, die Schwestern die Frauen. Die Kranken konnten und mussten für ihre Versorgung nichts bezahlen. Ältere Menschen, Krüppel und Städter, die infolge ihrer Armut unterernährt waren usw. fanden hier eine Bleibe.

Diese Form der Mildtätigkeit wurde auch durch die weltliche Obrigkeit gefördert: auf diese Weise konnte Unruhen und Murrerei bei der verarmten Bevölkerung vorgebeugt werden und der soziale Frieden in der Stadt gewahrt bleiben.

Ärzte waren im Mittelalter unbekannt. Höchsten konnten die Kranken einen Chirurgen oder einen Barbier in Anspruch nehmen: Sie konnten zur Ader lassen, Pflaster anlegen, Abszesse aufschneiden. Betäubungen bestanden aus einem kräftigen Schluck Alkohol...

Andere Gasthäuser in Löwen kümmerten sich eher um Passanten, Pilger, Reisende, Abenteurer usw.: das St. Laurentius-Gasthaus an der heutigen Blauwen Hoek, das St. Genoveva-Gasthaus in der Dieststraat auf dem Platz, wo heute das Miniemeninstitut steht, und das St. Nicolaas-Gasthaus an der Ecke der heutigen Tiense- und Vlamingenstraat. Diese Gasthäuser lagen alle außerhalb der inneren Stadtmauer und fingen so Reisende auf, die nach der Schließstunde der Stadttore Löwen erreichten.

Das große Gasthaus

Das Gasthaus und Kloster, das heute unter dem Namen „Cultureel Centrum Romaanse Poort“ läuft, hatte früher verschiedene Namen: das Große Gasthaus, Heiliges Gasthaus, St. Elisabeth-Gasthaus, St. Pieters-Gasthaus.

Das Gasthaus bestand anfänglich aus einer Romanischen Kapelle, einem Krankensaal, ein Klostergebäude und die umgebenden unterstützenden Gebäuden und Höfen. Im Wagenhaus befand sich ein Abstellplatz, in dem die Wagen und Karren, die zum Gasthaus gehörten, untergebracht wurden.

Das Gasthaus kümmerte sich selbst um seinen Unterhalt, und dies sowohl zugunsten der Kranken als auch des versorgenden und helfenden Personals.

Um das Jahr 1550 herum lebten im Gasthaus 36 Kranke, die von 29 Gasthausschwestern, 3 Priestern, 19 Leuten Dienstpersonal, sowie einem Metzger, einem Schuhmacher, einem Gärtner, einem Zimmermann, einem Pförtner, einem Brauer, mehreren Sanitätern usw. versorgt wurden.

Das Gasthaus hatte mehrere Male mit großem Unheil zu kämpfen: ein erstes Mal brannte es 1360 ab. 1622 wurde es ein zweites Mal von einer Feuersbrunst getroffen. 1718, kurz vor dem Bau des Meisterinnenhauses, das noch heute steht, wurden vor allem die Nebengebäude und Stallungen betroffen. Die Errichtung des Meisterinnenhauses war Teil der Wiederaufbaumaßnahmen nach dem Brand von 1718. Die Stadt verlieh den Gasthausschwestern damals ein Darlehen, um die verwüsteten Gebäude wieder hochzuziehen.

Quelle: www.brasserieimprovisio.be/vroeger.html