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Die alte Stadtmauer

Stadtplan Leuven 1572 aus 'Civitates Orbis Terrarum'

Thomas Plattern, der Löwen im Jahr 1599 besuchte, beschreibt die alte Stadtmauer als

"starck von weißen Steinen, von einem hohen ort, Lo genennt, auf einen niedriegen herunder gestigen, darinnen stehts waßer stehet, welches der fluß Tiel uundt bach Vort gar oft über ihre stade pflegen außzugießen uundt also die felder zu sümpfen gemacht haben. [...] Die alte statt wirdt mit einer ringmauren, aber keinen gräben umgeben, darinnen ein schloß, welches zu keyser Julij zeiten sollte sampt der alten statt erbauwen worden sein. Die neüwe statt aber wirdt neben der mauren uundt dickem wall auch mitt waßergräben allenthalben umgeben."

Ausführlicher beschreiben R. M. Lemaire und H. Godts die Mauer in dem Sammelband: Arca Loveniensis Bd.7, Deel 1: De geschiedenis van het stadtgewest Leuven tot omstreeks 1600:

Die Löwener Ringmauer hatte eine beina zirkelförmige Trasse, die im Westen teilweise dem Lauf der Dijle folgte und im Norden dem der Leibeek und der Bakelijn (Umfang 2750m, größte Durchmesser in Nord-Süd-Richtung: 860m, kleinste in O.-W.-Richtung: 810m). Die ca. 1,7m breite Mauer wurde hochgezogen mit gleichmäßig bearbeitetem weißen Sandstein, angefertigt in den Steingruben südwestlich von Leuven, abwechselnd und dekoratief verarbeitet mit eben dort gewonnenem Eisensandstein. In den westlichen, tiefer gelegenen Stadtteilen am Wasser wurde das Fundament auf Pfeilern errichtet, die durch flache Segmentbögen in rauhen Steinblöcken verbunden waren. In den höheren Stadtteilen wurde ein ähnliches Fundamentsystem auf einem hohen künstlichen Erdwall angelegt. Auf diesem Fundament ruhten Kurtinen (Hauptwälle), die in einer Mauerkrone endeten. Auf der Innenseite wurde die Wehrmauer verstärkt durch eine durchlaufende Arkade von 4m Breite und 1m Tiefe, die den Wehr- und Laufgang trugen. In der Mitte jeder Nische befand sich ein nach außen hin stark verengte vertikale Schießscharte.
In regelmäßigen Abständen befand sich eines von dreißig Walltoren. Auf der Außenseite halbrund ausgebaut, auf der Stadtseite halbviereckig, erhoben sie sich dreigliedrig erheblich über die Brüstung des Wehrgangs. Sie enthielten zwei übereinander gelegene Räume, abgedeckt durch ein Tonnengewölbe und eine anschließende halbe Kuppel. Das oberste Stockwerk eine offene Terasse. Einige Tore trugen, zumindest Abbildungen aus dem 16. Jahrhundert zufolge, ein Dach. Treppen, die in die Torwände eingebaut waren, ermöglichten den Zugang zu den verschiedenen Ebenen und zum Wehrgang. Auf jeder Ebene befanden sich drei Schießscharten, verteilt auf die halbrunde Außenwand, die mit denselben Materialien wie die Mauer hochgezogen wurde.
Von den Toren und Ringmauern sind noch Fragmente erhalten: das Jensenius- und Lipsiustor, Teile am Privatweg zwischen der Sankt-Rafaëls- und der Sankt-Pietersklinik, im Handbooghof, an beiden Seiten der Lotharingenstraat und im Sankt-Donatus-Park. Teile der Wallmauer und der Tore wurden während des Ancien Régime zwischen 1754 und 1781 abgerissen.

Die Tore, die an den radialen Einfallswegen der Stadt errichtet wurden, lassen sich auf vier Typen zurückführen:

  1. die älteste Form ist der viereckige Wehr- und Wohnturm (Donjon) mit Schilddach: Wolvenpooert oder Begijnenpoort (Schapenstraat; das ist das einzige Tor, von dem noch ein Exemplar erhalten ist. Zwei Bas-Reliefs mit Darstellungen eines Tieres wurden in eine Mauer in der Schapenstraat eingemeißelt). Zu diesem Typ gehörten auch das Proeststraat- oder Sankt-Kwintentor (Naamsestraat) und das Hoelstraat- oder Sankt-Michielstor (Tiensestraat).
  2. In der Art der Walltore wurden einige Tore nach einem halbeckig-halbrunden Plan errichtet, die durch eine Kombination aus Satteldach und einem halbkegelförmigen Dach gekrönt wurden: Redingenpoort (Redingenstraat), Minnepoort (auf Höhe der Kreuzung Brouwersstraat-Lei) und Steempoort oder Ulakepoort (Vaartstraat).
  3. Der dritte Typ wurde geformt durch einen viereckigen Donjon mit Sattel- oder Schilddach und zwei runden Ecktoren mit kegelförmigem Dach: Broekstraatport (Broekstraat), Minderbroederspoort (Minderbroedersstraat), Biestpoort (Brusselsestraat; Tor der gräflichen Domäne, abgerissen 1819), Burcht(-straat)poort (Mechelsestraat, abgerissen 1796) und Dorpstraatport oder Hl.-Geisttor (Diestsestraat).
  4. An der Dijle standen beim Hereinkommen und Verlassen der Stadt zwei Wassertore: die Ursulinnenschleuse, zwischen Broekstraat- und der Minderboederspoort, und die Sankt-Gertrudenschleuse zwischen dem Burcht- und dem Steintor. Die Stadttore, von denen manche als Gefängnis dienten, wurden ab dem vierzehnten Jahrhundert wiederholt wiederhergestellt und einige sogar vollständig wiederaufgebaut, so die Biestpoort und das Hl.Geist-Tor, die zur Zeit des Volksaufstands unter Führung von Peter Couthereel 1360 vollständig abgerissen wurden. Nach Errichtung des Außenwalls wurden die Tore der ersten Ringmauer "Innentore" genannt.

Biest- und Borchtpoort

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