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Die Burg von Leuven

Castrum Caesaris

Im September 1599 reist Thomas Platter d. J. unter anderem durch Flandern. Sein Reisetagebuch ist deswegen wichtig für meine Recherchen, weil er unter anderem auch durch Löwen kommt und diesen Aufenthalt in seinen Beschreibungen festhält:

„Die Stadt wird in zwei abgeteilt, in die alte und neue Stadt. Die alte Stadt wird mit einer Ringmauer, aber keinen Gräben umgeben, darin ein Schloss, welches zu Kaiser Julius Zeiten samt der alten Stadt erbaut worden sein soll. Die neue Stadt aber wird neben der Mauern und dem dicken Wall auch mit Wassergräben allenthalben umgeben.
Das Schloss liegt auf einem hohen Berg, mit einem (rempart) Wall umgeben, an der Stadtmauer, wenn man auf Mecheln zugeht... Es wohnte damals ein Engländer im Schloss, und weil er nicht anheimisch war, führte uns seine Hausfrau im Schloss herum. Sie sagte uns, es sei sehr alt und zu Zeiten Julius Cäsars erbaut worden. Danach führte sie uns in eine sehr große Küche im Schloss; sagte uns, es wäre der risen (?) Küche, in welcher sie vor Jahren die Christen getötet und geopfert hätten. Als wir nun aus dem Schloss gehen wollten, zeig man uns einen sehr tiefen Brunnen, in welchem ein solches Echo widerschallte, dass was man hineinredete, wortwörtlich, bis zur letzten Silbe wieder herauskam. Auch durfte man nicht zu laut reden.
Das Schloss ist sehr geeignet dafür, dass sich die Fürsten, wenn sie den Müßiggang pflegten und die Händel der Stadt beiseite legten, daselbst erlustigen. Gegenüber steht ein Turm in der Mauer, von weißen Steinen und so hoch aufgeführt, dass man, wenn der Himmel klar ist, die Stadt Antorff von oben sehen kann, welche doch acht große Meilen von dort entfernt liegt. Man nennt ihn Verlohrne Kost, da die Bürgermeister ihn nach wenigen Jahren, in denen der Turm bereits wieder baufällig geworden war, mit großen Unkosten haben verbessern lassen.“

Geschichte der Löwener Burg

Blick auf den Cesarsberg mit der herzoglichen Burg, auf die "Commanderie" Sankt-Jan, den Verlorene-Kost-Turm und den Weingarten auf der Hügelseite. Bild "De Marteling van de H. Dorothea" von Joost vander Baeren (1594)

Dass dieses Schloss noch auf Julius Caesar zurückgeht, darf nun getrost bezeifelt werden. Zwar beweisen archäologische Funde, dass der Stadtkern von Leuven bereits 50 v. Chr. bewohnt war - mittlerweile sind in der Region Funde aus der Römerzeit gemacht worden; jedoch existieren keine Hinweise darauf, dass Löwen als selbstständiger Flecken damals schon bekannt war.

Die Legende beruht auf dem Chronisten Hennen van Merchtenen. Er berichtet in seiner „Cronijke van Brabant“ aus dem Jahr 1414, Julius Caesar habe in Löwen die Vermählung seiner Nichte Suena mit dem Antwerpener Helden Brabo beigewohnt und "na der hant, dedi daer sekerliche op den berch .I. castel maeken". Allerdings bezieht sich Mechtenen in seiner Chronik auf ältere, legendarische Quellen, so dass dieser Herleitung des Namens „Keijzersberg“ getrost misstraut werden darf.

Drei Burgen sind nacheinander in Löwen errichtet worden. Die erste stammt aus dem 9. Jahrhundert. Am Anfang des 11. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt um die zweite Burg herum.

Den Entschluss, den Stadtkern zu verlassen, fasste Hendrik der Erste, Graf von Löwen, in den Jahren 1230-1232. Er ließ auf dem nördlichen Hügel der Stadt eine Burg errichten: eine gräfliche Residenz außerhalb der Stadtmauern, um die Unabhängigkeit ihrer Bewohner zu bewaren und ihre Macht gegenüber den Torwächtern zu befestigen.

Die neue Ringmauer aus dem Jahr 1357 umschloss auch das Kasteel. Für die Bürger von Löwen war die Burg nur eine von mehreren Residenzen ihres Herzogs. Denn Brabant war Herzogtum geworden – und Leuven seine Hauptstadt.

Geschichtliche Bedeutung gewann die Burg 1430, als dort die Generalstaaten von Brabant abgehalten wurden, die Philip dem Guten, Herzog von Burgund, die Rechte als Erbfolger des Herzogtums Brabant verliehen.

Im frühen 16. Jahrhundert kam der spätere Kaiser Karl V., noch als Kind, gelegentlich zusammen mit seinen Schwestern dorthin. Der Dekan der Sankt-Peters-Kirche, Adrianus Florizoon, der spätere Papst Adrian VI, unterrichtete ihn. Zur Belustigung der Kinder soll damals ein Tiergarten angelegt worden sein. Als Karl Kaiser wurde, ließ er die Burg erweitern und verschönern.

Die Humanisten der Universität gaben der Burg dann den schmeichlerischen Namen „Castrum Caesaris“, das Schloss des Kaisers. Das Volk nannte es "burch ons Heren Keizers".

Die Pflege des Schlosses wurde fortan Burgherren anvertraut, unter anderem dem berühmten Humanisten Erycius Puteanus, der 1618 die Erzherzoge Albrecht und Isabella in der Burg empfangen durfte.

Danach begann der Verfall der Burg. 1782 befahl Kaiser Josef II, der Komplex solle verkauft und abgerissen werden. Die Verkaufsurkunde befindet sich im Archiv der Abtei, die sich heute auf dem Gelände befindet. Nur die Stützmauer und der 36 Meter tiefe Brunnen blieben erhalten. Tore und kaiserliche Unterkunft wurden vollständig dem Erdboden gleichgemacht, selbst die Fundamente wurden ausgegraben.

Quelle: www.keizersberg.be

Die heutige Abtei Keijzersberg

Aufgang zur heutigen Abtei Keizersberg

Dort, wo die Burg einst stand, befindet sich heute die Abtei Keizersberg. Auf der Website der Stadt Löwen heißt es dazu:

Diese Abtei des Benediktinerordens stammt aus dem 19. Jh. und wurde von den Mönchen der Abtei Maredsous errichtet als Studienhaus. Das Abteigelände wird durch eine lange Mauer umgeben. Das Ganze erweckt den Eindruck einer alten Festung. In der Tat befand sich an dieser Stelle die Burg der Herzöge von Brabant.
www.leuven.be

Und wikipedia fügt an, dass der Hügel im Norden der Stadt bei den (einheimischen) Löwenern noch immer besser als Boelenberg oder Burgberg bekannt ist. nl.wikipedia.org/wiki/Abdij_Keizersberg