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Der Löwener Marktplatz im 15. Jahrhundert

Die Anwesenheit von zahlreichen adligen und kirchlichen Herren, verstärkt durch die Bevölkerungskonzentration auf dem Territorium der späteren Stadt, ließ die Nachfrage nach Produkten entstehen, die der Ackerbau nicht liefern konnte. Arbeitsteilung und Spezialisierung waren die Folge. Spezialisierte Handwerker und Händler verließen den landwirtschaftlichen Raum und siedelten sich in Löwen an.
Im Stadtkern, in der Nähe des heutigen Alten Markts, entstand ein Handelsviertel; die gepflasterten Straßen, die in das Zentrum führten, hatten einen vor allem kommerziellen Charakter. Spätestens seit Mitte des 12. Jh. fanden sich in dieser Gegend viele Verkaufshallen, in denen spezifische Produkte wie Brot, Fisch, Fleisch oder Tuche gehandelt wurden. Käufer und Verkäufer konnten sich auf den zahlreichen Marktplätzen der Stadt finden.
Der Handel beschränkte sich jedoch nicht auf die Löwener Bevölkerung. Die Löwener Märkte waren Teil des großen Handelsstroms, der seit dem 11. Jh. West-Europa durchquerte. Die schiffbare Dijle, mit einer Anlegestelle in der Nähe der heutigen Mechelsestraat, schuf den Zugang zur Schelde und der Nordsee. Auf dem Landweg profitierten die Löwener sowohl vom auflebenden Handel zwischen Maas und Rhein als auch von dem zwischen Flandern und der Nordsee. Gleichzeitig übte das Löwener Handelszentrum eine große Anziehungskraft auf die Dorfbewohner aus der Umgebung aus.  Die Bauern aus dem Umland versuchten, ihren Besitz auf dem wöchentlichen Montagsmarkt zu verkaufen oder ließen dort von den Handwerkern der Stadt ihre Rohstoffe verarbeiten. Die Preise und Qualitätsnormen des Löwener Markts galten als Referenz für den Handel in der weiteren Umgebung. Kurzum, die Stadt drückte ihren Stempel auf das ökonomische Leben des umgebenden ländlichen Raums.

Inès Honoré, in: Leven te Leuven in de late Middeleeuwen, Uitgeverij Peeters Leuven 1998, p.287(eigene Übersetung)