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Die Beginen

Emanzipation schon im 13. Jahrhundert, so werden die Beginen heute gern dargestellt. Diesen Mythos nährt auch der Roman "De vrouwen van het hof", der der Schriftstellerin Maria Jacques (geb. 1928) zumindest in Belgien zu einer gewissen Berühmtheit verhalf. Ihr Roman spielt im Leuven des ausgehenden 16. Jahrhunderts, und zwar genau in diesem Beginenhof.

Die Wikipedia sagt zum Thema Beginen:
"Alleinstehende Frauen und Witwen, ungeachtet des Vermögens oder des Standes, schlossen sich zu religiösen Gemeinschaften zusammen, ohne jedoch einer Ordensgemeinschaft anzugehören. Die Beginen legten nur ein Gelübde auf Zeit ab, das in der Regel jährlich erneuert wurde. Im Gegensatz zu den Ordensschwestern in den Klöstern war es den Beginen gestattet, wieder aus der Gemeinschaft auszuscheiden, ihr Vermögen mitzunehmen, zu heiraten und ein bürgerliches Leben zu führen. Aus diesem Grunde lebten in der Blütezeit des Beginenwesens nur ältere Frauen in den Beguinenhäusern, und es wurde zu einer feststehenden und durch päpstliche Bullen sanktionierten Regel, dass eine unverheiratete Frau nicht vor dem 40. Lebensjahr Begine wurde."
aus: Wikipedia Artikel "Beginen und Begarden"

Der große Beginenhof

Blick auf die Dijle

Noch immer rätsele ich, in wieweit die heutige Ringstraße identisch ist mit jener äußeren Wallanlage, die Leuven im 16. Jahrhundert umgab. Tatsache ist, dass sich unmittelbar neben dem Beginenhof die Naamse Poort befindet, eines der letzten erhaltenen Stadttore von Leuven. Zwar lag der Große Beginenhof bei seiner Gründung 1230 außerhalb der alten, inneren Stadtmauer und war deshalb mit einer eigenen Mauer umgeben. Als jedoch im 14. Jahrhundert eine zweite, weitere Mauer um die Stadt gezogen wurde, lag der Hof innerhalb der Umwehrung. Eine Stadt innerhalb der Stadt. Im 15. Jahrhundert sollen hier ca. 200 Beginen gelebt haben, ein Jahrhundert später schon 300.

Die ältesten Steinhäuser, die an Stelle der ursprünglichen Lehmbehausungen errichtet wurden, stammen aus dem 16. Jahrhundert. Der ganze Komplex umfasst 72 Häuser. Er verfügte sogar über eine eigene Krankenstation.

Das Spanische Quartier

Das Spanische Quartier

Der erste und offensichtlichste Anhaltspunkt, den ich für die direkte Teilhabe der Leuvener am achtzigjährigen Freiheits-Krieg gefunden habe: der westliche Teil des Beginenhofs wird auch als "Spanisches Quartier" bezeichnet. Dort sollen seinerzeit die spanischen Soldaten beherbergt worden sein, nachdem Anfang Februar für ein paar Tage die protestantische Armee des Maximilian de Coterau, Herr van Glabbeke, die Stadt eroberte. Sofort tauchten auch die Spanier auf, um Coterau und seine Truppen zu vertreiben. Da die Staatskasse Philipp II. schon relativ früh vom Krieg angegriffen war und die spanischen Truppen daher ständig darbten, annektierten sie Teile des Beginenhofs und funktionierten diesen zu ihrem Lager um. Bald begannen sie auch, sich ihre Nahrungsmittel von den Bürgern Löwens zu holen.

Es heißt, mehrere tausend Calvinisten hätten den Einzug der Spanier zum Anlass genommen, Löwen endgültig zu verlassen. Hinzu kam, dass die Pest in diesem Jahr die Zahl der Bewohner weiter dezimierte. So gewöhnten sich die Soldaten an, nicht nur in den Häusern nach Verwertbarem zu stöbern, sondern sie rissen ganze Gebäude ab, um das Holz im Winter für ihre Feuer zu nutzen. Bis zur Volkszählung im Jahre 1598 soll so jedes zehnte Gebäude Löwens von den Soldaten abgerissen worden sein.

Das Tourismusbüro Flandern schreibt hierüber:
"1578, nur wenige Jahre nach dem der Hof durch schwere Überschwemmungen getroffen wurde, fielen Spanische Truppen in Löwen ein und besetzten den Hof; einige Häuser wurden kurzerhand zum Stall umfunktioniert. Diese Gäste gingen nur wenig pfleglich mit ihrer neuen Behausung um, manche Wohnungen wurden denn auch unbewohnbar. Charakteristisch für den Hof ist die eher niedrige Bebauung aus Sand- und Backstein. Der Wohlstand einzelner Beginen ist sichtbar an den Häusern, die sie bewohnten, abzulesen. In den Gemeinschaftshäusern lebten die ärmeren Beginen. Einen repräsentativen Eindruck machen die Beginnhofhäuser im ehemaligen Soldaten-  oder Spanischen Quartier, benannt nach jenen spanischen Soldaten, die hier während des 80-jährigen Krieges einquartiert waren."
aus: UNESCO Kulturerbe: Beginenhöfe in Flandern

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