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Erster Überbllick über die Stadt Löwen im 16. Jhdt

Der Band "Leuven" von Leopold Oosterlynck und Jan Staes handelt das 16. Jahrhundert mit einem einzigen Absatz ab:

Der letzte Abschnitt des 15. Jahrh. war für Löwen katastrophal: Kriegsgewalt und wiederholte Pestepidemien sollten bald die Bevölkerungsziffer auf 15.000 reduzieren. Der für Löwen früher so wichtige Weinanbau verfiel ganz. Die Klöster, Wohlfahrts- und Universitätseinrichtungen, und der Adel lebten von den Ländereien außerhalb der Stadt, wo auch der Getreidehandel wichtig gewesen war. Als er jedoch auch erlahmte und die Bierbrauereien den Überschuss nicht aufnehmen konnten, brach Armut aus. Außerdem wurde das Umland im 16. Jahrh. wiederholt verwüstet. Erst 1585 war die Ruhe einigermaßen wiederhergestellt. Löwen war zu einem kleinen Zentrum verfallen. Die Wirtschaft war ruiniert, das Universitätsleben stand auf einem niedrigen Niveau. Die Stadt war verarmt, und die Umgebung war niedergebrannt. Am Ende des Jahrhunderts gab es noch rund zehntausend Einwohner. Die Ärmsten hatten diese schweren Zeiten nicht überlebt, während die höheren Gesellschaftsklassen aus Gründen der Religion oft emigriert waren oder die Hauptstadt Brüssel gewählt hatten.

aus: Oosterlynck/Staes: Leuven, lannoo 1995. S. 45

Auf der ofiziellen Seite der Stadt Löwen findet sich folgender Hinweis:

Wenn 1366 der Name der Brauerei „Den Horen" zum ersten Mal in den herzöglichen Zinsbüchern auftaucht, ist das nur der Anfang einer glänzenden Karriere, denn im Jahre 1537 ist diese Brauerei schon das wichtigste Unternehmen der Stadt Leuven. [Erst] 1717 geht „Den Horen" über auf den Meisterbrauer Sebastien Artois.

http://www.leuven.be/

Wie oben bei Oosterlynck et al. zu sehen, war Leuven früher bekannt für seine Weinberge und somit für seinen guten Wein. Außerdem hatte die Tuchmanufaktur lange Zeit den Reichtum der Stadt gemehrt. Doch mit dem Ende des 15. Jahrhunderts brachen viele Wirtschaftszweige zusammen. Immerhin: Der Bierbrauer "Den Horen" expandierte das ganze Mittelalter über. Gab es bereits andere Brauereien in der Stadt? Zumindest bei Oosterlynck klingt es so: ist dort doch von Brauereien im Plural die Rede. Oder machte Konkurrenz auf dem Gebiet keinen Sinn?

Wer heute über den Fischmarkt flaniert, kommt nicht unbedingt darauf, dass sich dort im Mittelalter der Hafen Löwens befand. Denn mittlerweile ist er komplett überdeckelt worden. Zwar gibt es Bestrebungen, den alten Hafen wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen, doch steht, soweit ich weiß, weder fest, ob dies überhaupt und wenn ja, wann es umgesetzt wird.

Im Mittelalter war der Dyle-Hafen am heutigen Fischmarkt das Zentrum aller Handelsaktivitäten. Im 18. Jahrhundert verlagerte sich der Mittelpunkt allmählich in die Umgebung des Kanals von Leuven nach Mechelen.

(ebd.)

Eigentlich logisch: wo Handel herrscht, sind Umschlagplätze wichtig. Zwar war die Straßenverbindung nach Osten und Süden bereits gut ausgebaut, gen Norden, zumal nach Friesland aber, wurde das Gebiet zunehmend sumpfig. Irgendjemand schrieb mal, im Norden der Niederlande könne man von einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 5km pro Stunde ausgehen - am schnellsten käme man noch zu Fuß voran. Daher waren Schiffe die ideale Möglichkeit, Waren zu transportieren.

Wichtig natürlich noch, wenn auch beinahe selbstverständlich: Die Gründung der Universität im Jahr 1425. Und die beiden Beginen-Höfe, die beide aus dem 13. Jahrhundert stammen und die noch heute am ehesten das Flair des Mittelalters innerhalb der Stadt widerspiegeln.