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Biografie Leonardus Lessius

Auszug aus: K. van Sull S.J.: Leonardus Lessius. Wetteren, 1923. pp. 6-8,
© 2011, Copyright der Übersetzung: Norbert Krüger

Nun musste über das Los der vier zurückgelassenen Kinder entschieden werden. Arme kleine Waisen! Sie haben den heilsamen Einfluss der Mutter nicht lange genießen können. Vor allem nicht Lenaart, weil er der Letztgeborene war. Gleichwohl war es der braven Frau in der kurzen Zeit gelungen, das junge Gemüt ihres kleinen Sohnes bereits mit der zarten und ernsthaften Gottesfurcht zu durchdringen, die später aus den Schriften des Gelehrten strahlen soll. Auf Mutters Schoß, heißt es, wird der Mann herangezogen. Dies galt für den religiösen Geist von Lessius, der die unendliche Vollkommenheit des höchsten Wesens  so tief begreifen und so elegant beschreiben sollte.

Bevor wir von ihr Abschied nehmen, sagen wir der schlichten und christlichen Mutter von Herzen Dank.

Die Vormunde oder Momboirs (gesetzliche Anwälte) wurden unter den Blutverwandten gewählt. Es waren der Bruder des Vaters, Huibrecht Leys, Küfer und Küster der Kapelle St. Lennaarts, und Hendrik Leest, Notar und Küster in Brecht, Großonkel der Kinder mütterlicherseits.

Lijnken und Betken wurden bei Gosen Thielen in Pflege gegeben, der nach dem Tod von Jan Aerts dessen Witwe, Maria Leest, heiratete. Sie waren dadurch bei ihrer Großmutter.

Lenaart und Leene, die älteste, fanden ein Unterkommen bei ihrem Onkel, Huibrecht Leys, dem für den Unterhalt der Kinder ein jährliches Kostgeld von 20 Karolus zugesagt wurde. Später, nachdem Leene das Haus verließ, um zu heiraten, wurden die „Mundkosten“ von Lenaart auf 14 Karolus im Jahr angeführt. Fortan sollte der Junge zu St.-Lenaarts wohnen.

Dort brachte er seine Kinderjahre zu, bis er nach Löwen umzog. Dort verbrachte er als Student seine Ferien. Und dorthin zog es ihn wahrscheinlich auch, wenn es ihm nach seinem Eintritt ins Kloster vergönnt war, nach seinem Geburtsort zurückzukehren.

Zwar lebten die Kinder nun nicht mehr unter demselben Dach, doch wurden sie einander nicht fremd, wie man vielleicht hätte befürchten können. Wir sehen sie häufig zu viert ausgehen auf Feste, ausgestattet mit genügend Taschengeld, um sich zu vergnügen. Bruder und Schwestern erwiesen ihre gegenseitige Verbundenheit. Bald sollen wir sehen, wie Lenaart seinen Teil an seine drei Schwestern abtritt, und diese werden, nachdem sie geheiratet haben, ihren Kindern Respekt, Zuneigung und Bewunderung für ihren heiligen Bruder einflößen.

Durch einen Sohn von Betken, Jacobus Wijns, wissen wir das Meiste der Besonderheiten, die diese Lebensbeschreibung ausmachen. Das Porträt des Lessius verdanken wir einem Antwerpener Maler, Ferdinand van Abshoven, der mit Leonora, Betkens Tochter, verheiratet war. Ein anderer Neffe oder Großneffe, Leonardus Schoofs, regulärer Kanoniker der Abtei St. Michiels in Antwerpen, wetteiferte mit dem Jesuiten Jacobus Wyns, um die Schriften des verstorbenen Gelehrten zu sammeln und drucken zu lassen.

Die Kinder wurden bei Huibrecht Leys und Gosen Thielen im christlichen Fühlen angeleitet. Ihre Namen sind in Bruderschaften aufgeschrieben. Sie gehen auf Wallfahrt nach Unserer Lieben Frau von Wuestwezel, nach St. Antonius im Weiler Juxeschot und anderswo, und man lehrt sie den Heiligen etwas zu opfern.

„Lijnken om sint Wilbort te gane, gegeven: 1 ort. - Leenken en Lenaerd tot offergelde doen sij tot Wesel omgingen: 3 st. - Lenaerd gegeven tot Vlimmre war voor den offer en een pint biers: ½ st.“

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