Startseite | Impressum | Kontakt | Sitemap

Biografie Leonardus Lessius

Auszug aus: K. van Sull S.J.: Leonardus Lessius. Wetteren, 1923. pp. 5/6,
© 2011, Copyright der Übersetzung: Norbert Krüger

Mutter Leys wurde dem Brauch folgenden in der Kirche selbst begraben. Oberhalb des Grabs wurde die Totenbahre aufgestellt und dreißig aufeinanderfolgende Tage kam einer der Kaplane von Brecht, der Ehrwürdige Herr Wouter van Suetendael, zur Bahre und sang das Libera. Das hieß „ein Dreißigstes aufs Grab gehn“. Als Ehrenlohn erhielt der Priester 18 Stüber. Für das Wachslicht und das Läuten bezahlte man 5 Karolusgulden und 6 Stüber: „in den choor van de uytvaert gedeylt metten graven, gegeven: 19 ½ stuiver.“

Nach der Ausfahrt wurde Familie und Bekannten im Sterbehaus ein Gastmahl angedient, von dem wir die Speisekarte mit den Unterlagen der Vogteirechnung wiedergeben können: „Fünfzehn Pfund Eintopf auf der Ausfahrt und ein halber Becher Salz, um das Ferkel damit zu salzen, zusammen bezahlt: 18 st. - van den vercken aff te doen, gegeven: 1 st. - van den Impost van den vercken, betaelt: 2 st. - Pauwel Aerts vante dienen: 2 st. Cornelis bertels van backen op duytvaert, gegeven: 5 st.“

Tafeldiener und Bäcker waren reich bezahlt im Vergleich mit der Köchin Marieken Simons, die für dreiunddreißig Tage Dienst gerade neun Stüber erhielt, und mit Arbeitern, die für acht Tage „dorschen“ (?) nicht mehr als einen Stüber pro Tag ausbezahlt bekamen.

Im Vergleich zu heute wurde möglicherweise mehr Prunk als nötig an den Tag gelegt. Doch wie oft geraten die Hinterbliebenen ins Vergessen, kaum das die Leichenfeier beendet ist.

Marieke Aerts wird nicht vergessen. Jeden Sonntag wird sie auf der Kanzel den Gebeten der Gläubigen anbefohlen: „Dem Pastor gegeben, um Mariken ins Sonntagsgebet aufzunehmen: 1 st.“. Die Jahreszeit beider Eheleute, so rasch aufeinander von der Welt geschieden, wird ebenfalls auf christliche Weise gefeiert: „op lenaert leys en marien jaergetijde den prochiaen en den kinderen tot offergelde tsamen gegeven: 3 st. 1. ort.“

Den jungen Mündeln drückte man es aufs Herz, dass sie für das Seelenheil ihrer zu früh entschlafenen Eltern beten und gute Werke tun sollten. Auch dafür liefert uns die Vogteirechnung einen Beweis: „leene gegeven om voir hoir ouders om Godswille te geven: 2 st.“ Die braven Leute hatten das Gut dafür: Gebet, Messopfer, Almosen an die Armen, damit sind wir unseren Verstorbenen hilfreicher als mit Blumen und Kränzen und prächtigen Grabsteinen, von denen sie doch nichts haben. „Solatia vivorum, non subsidia mortuorum“, sagt nicht ohne Grund der Hl. Augustinus. All der Prunk gereicht den Lebenden zum Trost, nutzt aber den Verstorbenen nichts.

Im Sterbehaus fand man „in gereede gelde“ 50 lb. br. 18 Karolusgulden, 44 Stüber. Der Hausrat wurde öffentlich zum Verkauf geboten, die Auktion brachte die Summe von 14 Karolus, 10 ½ st.

weiter