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Biografie Leonardus Lessius

Auszug aus: K. van Sull S.J.: Leonardus Lessius. Wetteren, 1923. pp. 3-5,
© 2011, Copyright der Übersetzung: Norbert Krüger

Manch einer im Kempenland will gern zu Lessius‘ Verwandtschaft gehören. Tatsächlich wurde der ursprüngliche Name dieses Dieners Gottes noch von vielen Familien geführt. Der Name ist eigentlich Leys: Jeder weiß, dass es zu jener Zeit üblich war, den Namen - egal ob Student oder Gelehrter - ins Lateinische zu übersetzen. Oder, wenn die Namen kein lateinisches Äquivalent besaßen, ihm zumindest eine latinisierte Form zu geben, um ihn sozusagen in einen lateinischen Mantel zu hüllen. In unserer Geschichte finden wir so Custos (Custers), Jansenius (Janssens), Agricola (Ackermans), Gravius (De Grave), Mudaeus (Der Muyden). So wurde auch Leys in Lessius verändert.

Vater und Mutter Leys waren christliche und vornehme Landwirte, zwar nicht reich, aber auch nicht unbemittelt. Sie hatten ihren Anteil am allgemeinen Wohlstand, der - dank der friedliebenden und weisen Regierung Kaiser Karls - zu jenem Zeitpunkt unsere vaterländische Geschichte kennzeichnete.  Sie bezogen „ein Stadthaus ... stehend und gelegen am Logenberg“.

Dabei genoss Vater Leys die allgemeine Achtung seiner Mitbürger und das Vertrauen der Herren von Brecht, denn in den vier letzten Jahren seines Lebens hatte er das Amt des Schöffen in der Region bekleidet.

1543, im Alter von 33 Jahren, heiratete er Maria Aerts, Tochter von Jan Aerts, alias Der Kynderen, höchstwahrscheinlich beim Stadtrat zu Brecht. Ihre Mutter war Maria Leest, ihr Großvater mütterlicherseits Jan Leest, der Küster der Mutterkirche war.

Drei Töchter, Leene (Magdalena), Lijne (Kathelijne) und Elisabeth erfreuten bereits das Heim, als am 1. Oktober 1554 das glückliche Ehepaar mit der Geburt eines Sohnes seine Wünsche am Ziel sah.

Bei seiner Taufe bekam das Kind, das später seinem Familiennamen zu solchem Ruhm verhelfen sollte, den Vornamen Leonardus. Seine Mutter jedenfalls teilte die Frömmigkeit aller Brechtenarer gegenüber dem heiligen Bekenner Lennaerts, der von den Pilgern in der benachbarten Kapelle gut besucht wurde, und der auch Schutzheiliger von Vater und Großvater Leys war. Letzterer, ein Küfer, war einige Jahre zuvor, am 24. April 1545, verstorben.

Gesegnet mit Kindern und Arbeit konnte diese Familie sich glücklich schätzen. Doch sie erfuhren bald, dass Menschenglück brüchiger ist als Glas und das raue Zeiten oft auf die frohen folgen. Schon vor der Zeit sollte sie auseinander geschlagen werden. Ehe der kleine Lenaart sein fünftes Jahr vollendet hat, starb sein Vater im Juni 1559. Großmutter Leys, Elisabeth Wyns, war ihrem Sohn ein Jahr zuvor ins Grab vorausgegangen.

Der Witwe, mit der Erziehung von vier Kindern und der Führung des Gehöfts überfordert, meinte bereits ein Jahr später Adriaan Putkuyps heiraten zu müssen. Aber kurz nach ihrer Hochzeit wurde sie schwerkrank. Wir haben nicht herausfinden können, welcher Art ihre Qualen waren. Im den Nota der Vormundschaft, in denen selbst die kleinsten Ausgaben gewissenhaft notiert sind, fand sich keine Erwähnung von Arzt oder Arznei.

Wir erfahren nur, dass während der Krankheit und nahe dem Tod „Mariken Simons einen Monat und drei Tage im Sterbehaus gewesen ist“ und dass ihr für ihre Mühe neun Stüber bezahlt wurden. An „Gumaer Van den Venne vom Weine in Marikens Krankenbett geholt“ bezahlte man 3 ½ Stüber. Ein anderer Eintrag gibt uns einen Einblick in die religiösen Gefühle der Nachbarschaft: „lijnken om sint Wilbort (te Overbroeck onder Brecht) te gaen, gegeven: 1 Ort. - Jan Steenbackers van `t Santvliet voor Mariken bevaert te gane Metten offerpenninck gegeven: 4 stuiver 1 ort. - Jannen neel driesz(oon) van een bedevaert te gane tot sinte reynoffels voor marien gegeven: 18 stuiver, den offer 1 blanck.“ Nach Brüssel sandte man eine Opfergabe von ½ Stüber zu Ehren des Heiligen Sakraments vom Wunder.

Sorgen und Gebete führten jedoch nicht zur Genesung der Mutter, und nicht ein Jahr nach ihrer erneuten Vermählung musste Maria Mann und Kinder zurücklassen. In den Rechnungen stehen kurz hintereinander zwei Posten, die das Wechselhafte des Lebens und das Unsichere des Menschen Glücks schmerzlich ans Licht bringen: „Pellen Diels Witwe, für ihre Hilfe in Maries Brautzeit, vier Tage, bisher ein Blanck bezahlt, zusammen 3 Stüber, 3 Blanck“, und darunter: „Thijsen Berchmans van de dootschrijne, 10 Stuiver“.

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