Startseite | Impressum | Kontakt | Sitemap

Biografie Leonardus Lessius

Auszug aus: K. van Sull S.J.: Leonardus Lessius. Wetteren, 1923. pp. 11/12,
© 2011, Copyright der Übersetzung: Norbert Krüger

Lenaart blieb vier Jahre in der Dorfschule. Dass er in dieser Zeit seinen Lehrer zum Trost gereichte, daran gibt es keinen Zweifel. Der Junge lernte leicht und lernte gern. Bei Tisch hatte er immer ein Buch neben seinem Schneidebrett (seinem teljoor) liegen, um keinen einzigen Augenblick ungenutzt zu lassen, und abends, lange nachdem Leene schlafen gegangen war, fand man den Knaben noch über sein Buch gebeugt.

An den langen Winterabenden, wenn die Familie sich zum geselligen Plaudern um den Herd scharte, blieb unser Student fern dem Feuer in einer Ecke des Zimmers sitzen, um in seinem Lernen nicht gestört zu werden. Er bibberte vor Kälte, und nicht ohne Rührung sah man ihn seine halberfrorenen Hände an der Kerzenflamme wärmen. Vom Spielen hielt er nicht viel. Wurde er von Kameraden zum Spielen eingeladen, machte er mit. Denn menschenscheu war er nicht. Doch bald änderte sich das Spiel in eine Lektion. Denn durch sein fortgesetztes Lesen und Lernen erlangte der Junge allerlei Wissen, und er konnte die Dinge so klar und säuberlich darlegen, dass ihm alle gebannt zuhörten. Schon hier zeigte sich der Lehrer im Kind.

Was den Schullehrern aber mehr noch als sein Wissensdurst Respekt einflößte, war Lenaarts tiefe Gottesfurcht. Ganze Stunden verbrachte er ins Gebet versunken. Dabei war er stets so besonnen, so schamhaft in seinem Tun und Sprechen, dass man ihn auf seinen Spaziergängen „den kleinen Propheten“ nannte.

An schulfreien Tagen unterwies er gern jüngere Kinder, wie er sie auch lehrte, Gebete aufzusagen. Nach seinem Tod bezeugte eine alte Frau aus Brecht, sie habe während mehr als sechzig Jahren täglich die Gebete gelesen, die sie in ihrer Kindheit von dem kleinen Propheten gelernt hatte.