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Biografie Leonardus Lessius

Auszug aus: K. van Sull S.J.: Leonardus Lessius. Wetteren, 1923. pp. 10/11,
© 2011, Copyright der Übersetzung: Norbert Krüger

Wo lernte der Knabe Latein?

Bereits vor 1535 besaß Brecht eine lateinische Schule, gegründet durch den Brechtenarer Bürger Jan Custos. Dieser hat selbst eine lateinische Sprachlehre herausgegeben, die in vielen Kollegien als Handbuch diente. Dieser „Syntaxis Brechtana“ verdankte der Humanist Justus Lipsius seine ersten Kenntnisse des Lateinischen, als er in Ath studierte. Und nach dieser Sprachlehre stellte Jan van Pauteren (Despautères) seinen „Commentarii grammatici“ zusammen, der lange Zeit in den Kollegien in Frankreich das offizielle Lehrbuch für den humanistischen Studienzweig war.

Aufgrund der Unterlagen würden wir weiterhin behaupten, dass Lessius das Latein in der Schule von Meister Pauwel De Cock lernte. Jedoch wissen wir aus sicherer Quelle, dass die von Custos gegründete Lateinklasse nicht mehr bestand. Ein „Reglement bezüglich der Schule zu Brecht“, datiert „Anno 1564 den 11. März, stilo brabantiae“ (also nach brabantischer Zeitrechnung) verfügt das Folgende: „In is vorward dat de voirz. Schoelmr zal gehouden zyn te houden een ondermester, vast verstaen in zijn gramatiken ende zynen simpelen sanck, ende de jongere alle Dagen te doene vr lessen A B C voir noen ende A B C nae noen, nae den ouden ordinere...“

In diesem Schulprogramm ist von Latein keine Rede.

Sicher ist gleichwohl, dass unser Lenaart vor Ort Latein lernte. Das folgt aus dem Schreiben von Pater Bauters, der Rektor war am Jesuitenkolleg in Löwen, als Lessius dort im Jahr 1623 verstarb, und der unter den Augen von Jacobus Wyns, Lessius‘ Neffen, schrieb. Er sagt, dass der Verstorbene in seiner Gesellschaft mehr als einen Gelehrten und Priester zählte und dass er die Anfänge der lateinischen Sprache in seinem Geburtsdorf von Kindesbeinen an lernte. [Numerabat inter affines consanguineosque litterators ac sacerdotes non paucos ; et ipse a prima aetate prima latinae linguae elementa eodem in loco caepit addiscere. (Bauters. Elogium Ptr. Lessii, febr. 1623)]. Vielleicht nahm er Unterricht bei einem seiner Verwandten oder bei einem der Priester, die in der Gemeinde wohnten.

Wie man das auch immer auslegte, in der Rechnung der Momboirs lesen wir diesen Posten: „voor een primam partem en een figeur, geg, 3 ½ st.“ Später finden wir noch einmal „voor een figure bet. 1 st.“ Prima pars und Figure waren die Namen von Büchern für Anfänger der Humaniora.

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