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Leonard Lessius

Leonard Lessius (1554-1623) gehört zu jenen Jesuiten, die um 1597 in Leuven am Jesuitenkolleg gelehrt haben. Seine dortige Lehrtätigkeit wird zeitlich umgrenzt von den Jahren 1585 - 1600. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Kornelius a Lapide und G. de Goninek.

Seine eigene Ausbildung erhielt er 1583-84 in Rom bei Francesco Suàrez, der ja ebenfalls in den Auseinandersetzungen um Bajus eine zentrale Rolle spielt. Less soll bald wegen seiner Prädestinations- und Gnadenlehre mit seiner Ordensleitung in Schwierigkeiten gekommen sein, dem Streitthema schlechthin in jenen Tagen in Leuven. 1587 verurteilte auch die Universität von Leuven (im folgenden Jahr auch die Uni Douai) 34 seiner Thesen. Diese Verurteilung soll direkt von Bajus angestiftet worden sein.

Less betonte die Freiheit des Willens und damit die menschliche Entscheidung als notwendige, weil von Gott gewollte Heilsvorausetzung. Auch seine Vorstellung der Inspirationslehre unterscheidet sich ein wenig vom damals gängigen Lehrplan. Für Less war es denkbar, dass ein Buch der hl. Schrift nicht ursprünglich inspiriert, sondern erst im Nachhinein von Gott als heilig anerkannt worden sein könnte. Diesen Vorgang nennt er "inspiratio subsequens".

Privat ist nur wenig über ihn bekannt: Er soll sich 1578 (dem Pestjahr in Leuven) eine "schmerzliche Krankheit" zugezogen haben. Und er war mit Justus Lips befreundet, der ja ebenfalls zu den illusteren Figuren bei den Leuvener Jesuiten gehörte. So scheint sich in Lips und Less so etwas wie eine innere Opposition bei der dortigen Gesellschaft Jesu etabliert zu haben.

Der historischen Korrektheit halber muss aber betont werden, dass es zu den offiziellen Schwierigkeiten mit seiner Leitung erst 1610 kam, als Less sein Buch »De gratia batione Agenlorum et hominum« veröffentlichte, für das er sich zuvor nicht die Approbation der Gesellschaft geholt hatte. Mit ähnlichem Verhalten hatte sich ein paar Jahre zuvor ja bereits Franz Coster in die Nesseln gesetzt. Auch Less musste sich einen Rüffel der Jesuiten-Leitung gefallen lassen: ihm wurde noch einmal ausdrücklich verboten, zum Thema Gnadenlehre irgendetwas zu veröffentlichen, ohne zuvor die ausdrückliche Erlaubnis des Hl. Offiziums eingeholt zu haben.