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Über die Gesundheits des Justus Lipsius

Die Gedärme, die eben so gebaut sind als der Magen, haben auch eben die Zufälle und die Thätigkeit des Athemholens, welche, wenn sie stark ist, während, daß man die Luft einzieht, alle Einweide des Unterleibes drücket, und eben dadurch den Umlauf befördert; die Thätigkeit des Atemholens, sage ich, indem sie, durch das Aufhören der Bewegung der Muskeln, welche sehr viel dazu beyträgt, verringert worden ist, so ist auch zugleich die Thätigkeit aller dieser Werkzeuge geschwächt; man wird hartleibig; es entstehen, wie in dem Magen Anhäufungen von schleimigten Materien, welches eine Quelle verschiedener Uebel ist, denen die Gelehrten unterworfen sind, wie solches dem berühmten Justus Lipsius, Professorn der Geschichte zu Leiden, wiederfuhr, der, ob ihn gleich der berühmte Heurnius, sein College und sein Freund, in der Cur hatte, dennoch sehr lange leiden mußte, und nicht eher geheilt wurde, als bis er eine Masse von sich gegeben hatte, welche die Gestalt und die Farbe seiner Gedärme hatte. Dieses war ein klebrichter und zäher Schleim, eine Frucht seiner sitzenden Lebensart und seines Studirens, welcher den Gang der gedärme nach und nach angefüllet hatte. Dieser Schleim, der in eine Fäulniß ausartete, hatte die ganze animalische Oeconomie angegriffen; allein, da der Sitz einmal davon gereinigt war, so hatte der Kranke seine Gesundheit gar bald wieder bekommen. Die auf diese Art zusammengehäuften Excremente drücken die daran liegenden Theile durch ihre Größe zusammen, reizen die Därme durch ihre Schärfe, und ihre verfaulten Theile stecken die ganze Masse der Säfte an; daher kommt das erschreckliche Bauchgrimmen, welches die Plage der Gelehrten ist, und welches man um so viel schwerer heilen kann,da es durch Irrungen in der Diät immer von neuem erregt wirde; und daher entstehen auch diese Winde, worüber sich durchgängig alle Leute, die viel sitzen, beschweren, welche, da sie sehr verschiedene Zufälle haben, bisweilen andere Krankheiten anzuzeigen scheinen.

aus: Samuel Auguste David Tissot: Von der Gesundheit der Gelehrten. Leipzig: J. G. Müller, 1770. p. 49-51