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1. Vor der Krise

Am Ende des 16. Jahrhunderts verfiel die Fakultät der Künste. Sie spürte die Nachwirkungen der Unruhen und der fortgesetzten Kriege in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Die Jugend machte sich rar an den vier Pädagogien, in die sie früher geströmt waren. Die Disziplin war dort erschlafft und «die Position der Professoren befand sich im Abnehmen sowohl in wissenschaftlicher Sicht als auch in finanzieller». Die Metaphysik und die Ethik war aus den Programmen verschwunden; das war einer der Gründe, aus denen eine derart große Zahl an jungen Menschen es vorzog, sich nach Douai zu begeben, wo die Gesellschaft alle Bereiche der Philosophie lehrte. Verwahrlost von seinem einstigen Glanz, blieb der Fakultät nur, ihr Monopol brennend zu verteidigen. Wir haben den lebhaften Widerstand gesehen, den sie 1583 leistete, als die Jesuiten versuchten, ihre Privilegien zu stärken. Philipp II., auf dessen Urteil sie sich berief, hatte der Gesellschaft das Privileg zugestanden, öffentlich die Philosophie und die Theologie zu lesen, unter der Bedingung, ihre Schüler vor dem Prüfungsausschuss der Hochschule zu präsentieren. Man konnte ihr also nicht das Recht absprechen, die Philosophie zu unterrichten, seitdem sie nicht beanspruchte, die Grade zu erteilen.

Während zehn Jahren nutzten die Pater dieses Privileg für die philosophische Unterweisung nicht: sie begnügten sich mit öffentlichen Kursen der Theologie, die Bellarmin erläuterte, und die später, nicht ohne Glanz, der Pater Léonard Lessius. Viel mehr hatte Pater Manare geraten, sich nicht in die öffentliche Lesung der Philosophie einzumischen: «Das war, so meinte er, das sicherste Mittel, den Frieden mit der Universität zu bewaren und das in den Pädagogien so fruchtbare apostolische Amt fortzusetzen.»

Es sind nicht bloß verschiedentlich Angebote gemacht worden, einen Philosophiekurs einzurichten. Die Universitären, und keine Geringeren, boten ihnen Schlag auf Schlag an, eines der Pädagogien zu eröffnen. Immer haben die Jesuiten diese Angebote abgewiesen, wobei sie den Mangel an Personal und ausreichenden Geldmitteln als Grund angaben. Mussten sie bereuen, diese guten Gelegenheiten vorbeiziehen zu lassen? Vielleicht, aber wir glauben fest, diese zu akzeptieren hätte den Konflikt lediglich beschleunigt. Diese Angebote waren nämlich die Tat einiger Persönlichkeiten ohne Mandat der Fakultät der Künste, und diese, äußerst schlecht zu sprechen auf die Jesuiten, hätte ohne jeden Zweifel abgelehnt, ein Projekt zu genehmigen, welches im Gegensatz stand zu dem, was sie als ein unverletzbares Monopol ansahen. Übrigens unterstellten jene Angebote alle, die Gesellschaft Jesu würde akzeptieren, Studiengebühren einzunehmen [euphemistisch "Minerval" genannt, nach den Geschenken, die die Schüler der alten Griechen bei ihrem ersten Eintritt in die Schule ihren Lehrern gewöhnlich machten; Anm. d. Übs.] und sich in den Rahmen der Universität einzugliedern, indem sie der Methode der Fakultät folge und deren Gesetze ertrüge. [weiter]

aus: Alfred Poncelet S.J., Histoire de la Compagnie de Jésus dans les anciens Pay-Bas, Brüssel 1926, p. 190-192 - eigene Übersetzung