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3. Der Prozess vor dem Gericht zu Brüssel

Die Gesellschaft Jesu hatte ihrerseits beim Privatrat Berufung eingelegt, um zu erreichen, dass dem Widerstand gegen die Nutzung ihrer Privilegien ein Ende gemacht wurde. Am 11. März informierte der Interims-Gouverneur, der Graf de Fuentès, die Universität, die Jesuiten seien autorisiert, den Studiengang an der Saint-Remi zu beginnen, und untersagten ihr mittels lettres closes (versiegelter Briefe), dem Unterricht Hindernisse in den Weg zu legen. Sie hatte eine Frist von 15 Tagen, um ihre Gründe dazulegen.

Diese Vorgehensweise der Pater beim Gouverneur war weder in ihrem Geist noch in der Praxis ein gerichtlicher Akt, wie die Universität ihnen später verbittert vorwarf. Dieser Einspruch beim Privatrat war steter Brauch bei Konflikten, in denen es um Privilegien ging, und diese Handlung zielte darauf ab, ein Schiedsgerichtsverfahren herbeizuführen und nicht einen Prozess. Wir haben gesehen, wie die Jesuiten von Douai sich dieses Mittels regelmäßig bedienten, ohne dass man sie je bezichtigt hätte, «die Universität vor ein weltliches Gericht zu ziehen». Außerdem hatte die Fakultät der Künste selbst die Gesellschaft Jesu dazu veranlasst, als sie am Schluss ihrer Klageschrift vom 26. Januar erklärte: «Wenn wir keine Übereinstimmung über die Artikel finden, meinen wir uns dem Urteil sei es der Staatskanzlei, sei es des Erzherzogs zuwenden zu müssen.» Dennoch erwies sich diese Vorgehensweise für die Gesellschaft Jesu als fatal. Wir werden sehen, wie die Löwener Rom geschickt benutzen, um ihrer Gegner zu verunglimpfen und den Papst für ihre Sache zu gewinnen.

Vorläufig hatte die Gegen-Attacke der Jesuiten die Fakultät der Künste überrascht; sie beeilte sich, die Zuständigkeit des Privatrates zurückzuweisen, der ihren Gegnern zu sehr geneigt zu sein schien. Und sie brachten Klage vor die Staatskanzlei von Brabant, «den einzigen zuständigen Richter». So wurde ein formeller Prozess angestrengt. Schon bei der ersten Vorladung protestierten die Jesuiten, und änderten ihre Position in diesem Zusammenhang nicht, dass sie nicht beabsichtigten, einen Prozess gegen die Universität aufrecht zu erhalten; sondern eine gütliche Einigung suchten. Sie beantragten die Ernennung von Unparteiischen, vor denen sie sich mit den Delegierten der Universität treffen könnten. Die Kanzlei gewährte dies und ernannte eine Kommission aus vier Mitgliedern, um die Differenzen zu schlichten und «einen Vergleich wie in Douai zu erreichen».

Unterdessen starb am 25. April 1595 Torrentius, in dem Moment, als die Gesellschaft Jesu seine Schirmherrschaft derart dringend benötigte, genauso wie seinen großen Einfluss und die Autorität, die er in den Kronräten besaß.

Die Verhandlungen intensivierten sich in Brüssel. Die Delegierten der Universität versuchten zunächst zu erreichen, dass die Jesuiten freiwillig ihr Projekt aufgäben; aber dieses, sagten sie sich, war verknüpft mit der Stiftung Torrentius: die Testamentsvollstrecker erwarteten das Ergebnis des Prozesses, um möglicherweise die Stiftung anzufechten. Es war vergebens, sie zu fragen, ob sie sich mit dem Unterricht jener Fächer zufrieden gäben, die nicht auf dem Programm der Fakultät standen, und man räumte ihnen einen breiten Raum ein: dem gründlichen Studium des Hebräischen, der Metaphysik, der Mathematik, der Ethik, der politischen Ökonomie. «Alle Welt wünscht sich das», sagte man, dies sei eine wunderbare Krönung der humanistischen Studien, allen nützlich, niemandem abträglich und eine würdige Nutzung der Freigebigkeit des Bischofs von Anvers. Die Jesuiten bestanden auf ihrem Wunsch nach dem kompletten Studiengang und zogen sich hinter den Willen des Stifters zurück.

Auf Verhandlungen, die ohne Ergebnis blieben, folgte eine Reihe von widersprüchlichen Eingaben. Die Universität wies darin die Bedingungen aus, welche die Jesuiten unterzeichnen sollten, bevor ihnen zu unterrichten zugestanden werde; und diese machten den Ansinnen der Fakultät immer größere Zugeständnisse. Der Ton darin ist oft herb, die Worte bitter. An ironischen oder verletzenden Andeutungen fehlt es nicht, mit nachdrücklichen Versicherungen der christlichen Barmherzigkeit.

Alles in allem stellte die Universität drei Bedingungen: zunächst, Bedingung sine qua non, drängte sie auf eine stabile und ausreichende Finanzierung jener Art, dass die pädagogischen Anstalten auf die Studiengebühren verzichten und, gleich den Patern, kostenlosen Unterricht anbieten können.

aus: Alfred Poncelet S.J., Histoire de la Compagnie de Jésus dans les anciens Pay-Bas, Brüssel 1926, p. 198-202 - eigene Übersetzung