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Einleitung

Die ausführlichsten Informationen über die Zuspitzung des Philosophenstreits von Löwen in den Jahren 1594-98 finden sich in der „Histoire de la Compagnie de Jésus“ von Afred Poncelet (Brüssel, 1926; dort pp. 188-228). Allerdings lohnt es sich meines Erachtens, bei dieser sehr auf die Formalien konzentrierten Darstellung Poncelets die inhaltliche Diskussion über die Lehre Michel de Bays im Auge zu behalten (s. Der Bajus-Streit)

«In Löwen mussten sich die Jesuiten in den 90er Jahren des 16. Jahrhunderts in einem herberen Kräftespiel behaupten als wenig zuvor in Douai, wo die Differenzen zwischen Jesuiten und der Fakultät der Künste aufgrund der Machtverhältnisse ohne große Schwierigkeiten beigelegt werden konnten. Und hier in Löwen gingen die Jesuiten schließlich geschlagen aus dem Streit. Wieder bildete die Fakultät der Künste das Zentrum der Opposition. Sie fürchtete den Erfolg der Gesellschaft Jesu, die beabsichtigte, mit ihren eigenen Methoden zu arbeiten. „Es ist doch natürlich, wenn man die Vergangenheit für sich hat, jede Initiative für eine Kritik zu ergreifen.“ Außerdem glaubten sie ihre Interessen gefährdet; von je her eine nicht reduzierbare Gegnerschaft. Nun aber waren sie eine Kraft. Die älteste der Fakultäten und Mutter aller anderen, übte sie in Löwen einen ausschlaggebenden Einfluss aus. Aus ihrem Schoß wurden die Doktoren und Lehrer der Universität angeworben; sie verfügte über die Pfründe, die Vergaben der Stipendien und die Ernennung der Regenten. Außerdem nahm sich der akademische Senat von Anfang an des Streits der Fakultät der Künste an. Schließlich herrschte zwischen den Universitäten ein großer Korpsgeist: sie waren ständig dazu bereit, sich gegenseitig Unterstützung zu gewähren, und der Eid, den sie aus Anlass der Promotionen ablegten, immer die Rechte und Privilegien der Universität zu verteidigen, brachte sie natürlicherweise dazu, sich die Interessen der Alma Mater zu Herzen zu nehmen. Dieses Festhalten der Alten an der Institution, die sie geformt haben, erklärt und, bis zu einem gewissen Punkt, entschuldigt, dass ihr Betragen zuweilen eine wenig sonderbar erscheinen konnte.

Bis jetzt hat noch kein Autor ungekürzt diesen Zwist geschildert. Ihre Berichte, kurz zusammengefasst, sind oft mit Ungenauigkeiten gefüllt. Sie berücksichtigen nicht genug die vielfältigen Wendungen, die während der fünf Jahre eintraten, welche der Konflikt dauerte. Die zahlreichen Dokumente – mehr als Tausend – stammend von beiden rivalisierenden Parteien, und der größte Teil davon unveröffentlicht, erlaubt uns – so haben wir wenigstens die Hoffnung – getreulicher zu sein, da vollständiger, und deutlich den Standpunkt der beiden Gegner aufzuzeigen.» [weiter]

aus: Alfred Poncelet S.J., Histoire de la Compagnie de Jésus dans les anciens Pay-Bas, Brüssel 1926, p. 188-189 - eigene Übertragung