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Pitching für Autoren

Fünf Zeilen haben Facebook-Autoren, um auf ihre aktuellen Anliegen aufmerksam zu machen. Das ist die klassische Situation des Pitchings - des Konzentrierens auf die wesentlichen Punkte, um ein Gegenüber neugierig zu machen. Und davon zu überzeugen, auf "Mehr anzeigen ..." oder gar auf den beigefügten Link klicken zu wollen.

Ich erlebe bei Facebook viele Autoren, die sich damit begnügen darauf hinzuweisen, die hätten ihre Website aktualisiert; eine neue Rezension sei online; oder überhaupt: Sie hätten ein Buch geschrieben, das jetzt käuflich zu erwerben sei. Das ist aus Sicht der Autoren sicherlich bemerkenswert, lässt aber außer Acht, dass "der Wurm dem Fisch schmecken sollte, nicht dem Angler". Die Frage, warum ein anderer Facebook-Nutzer diesen Link anklicken sollte, lässt sich nicht dadurch beantworten, dass der Link nun einmal da ist.

Aus Frust über völlig reaktionslose Postings verlegen sich nun einige mir bekannte Autoren darauf, nur noch Witze oder knackige Aphorismen zu teilen, die sie anderswo auf Facebook gefunden haben. Auch andere Strategien, täglich "sinnvolle" Postings zu veröffentlichen und so den eigenen Namen und das Profilbild bekannt zu halten, führen in erster Linie zu einem Verschleiß an Arbeitskraft. Führt es zu einer spürbaren Steigerung der eigenen Verkaufszahlen, wenn ich täglich die Geburts- oder Jahrestage bekannter Autoren in einer Gruppe veröffentliche und kommentiere? Die potentiell Interessierten werden ohnehin einen Literaturkalender ihr eigen nennen, die anderen überlesen den Text einfach.

Was den Leser tatsächlich interessieren dürfte, sind meine Unique Selling Points. Worüber schreibe ich eigentlich? Und warum? Aus welcher Perspektive? Was will ich mit einem Post erreichen? Gelingt es mir, jemanden in fünf Zeilen auf mein Angebot neugierig zu machen? Das sind die typischen Fragen, die zur Vorbereitung eines Pitchings gehören.

Nachdem ich seinerzeit Sibylle Kurz' Sachbuch Pitch it! Die Kunst, Film erfolgreich zu verkaufen las, war ich beinahe froh, das Thema Drehbücher erst einmal ad acta legen zu können. In dem Buch geht es um die optimale Vorbereitung für einen Pitch - und als Autor sehe ich mich als Kreativen, nicht als Verkäufer. Lieber einen Agenten suchen, der den Verkauf für mich anleiert, so dachte ich damals. 

Mittlerweile wird mir klar, dass jedes Posting auf Facebook ein Pitch ist - nicht immer für ein neues Buch, immer aber für eine Information, die ich droppen will. Wenn ich auf Facebook gelesen werden will - wenn ich will, dass Leute nicht nur auf "Mehr anzeigen ..." sondern auch auf die Links, die ich anbiete, klicken - und meine Informationen im besten Fall sogar teilen, muss ich davon absehen, nur Oberflächlichkeiten zu posten - oder gar Dinge, die mit mir nichts zu tun haben.

Im Gegenteil: Ich muss mir klar machen, was ich zu sagen habe und es in wenigen Sätzen auf den Punkt bringen. Letztlich funktioniert Facebook wie ein Zeitungstext. Dem Artikel vorgestellt ist ein erster Absatz, in dem die wichtigsten Informationen (die fünf W-Fragen zumeist) abgehandelt sind - und die den Leser neugierig auf mehr machen.

So kann ich als potentieller Leser entscheiden, ob ein Link für mich relevant ist, ob ich Lust habe, tiefer in ein Thema einzusteigen - oder mir im besten Fall gar ein Buch eines mir unbekannten Autoren zu kaufen. Quality instead of quantity. Das hätte nicht nur den Vorteil, dass die Gruppen von der Unzahl völlig irrelevanter Postings befreit würden, sondern könnte auch ein sinnvolles Tool zur Steigerung der eigenen Verkaufszahlen sein. Es lohnt sich sicherlich, sich eingehender mit der Kunst des Pitchens vertraut zu machen.