In einem Jahr durch die Bibel

Bibelkunde im Vogelflug - Markus

 

Markus, wer war denn das?

Im Gegensatz zum Autoren des ersten neutestamentlichen Evangeliums ist die Quellenlage bei Markus um einiges besser, auch wenn hier ebenso wie im Matthäusevangelium im Text selbst nirgendwo etwas über den Verfassernamen steht und die Zuordnung zu Markus erst im 2. Jahrhundert vorgenommen wurde.

Wenn man davon ausgeht, dass Lukas das Markus-Evangelium gekannt und benutzt hat, ist es nicht weiter verwundernswert, Markus in der Apostelgeschichte des Lukas wiederzufinden. So wird Markus – mit Beinamen Johannes – z. B. in Apg. 12,12 erwähnt, als Petrus nach seiner wundersamen Gefängnisbefreiung bei dessen Mutter auftaucht. Und ein Kapitel später wird berichtet, dass er eine Zeitlang gar mit Paulus und dessen Team mitgezogen ist (Apg. 13,13). Dass er sich dann jedoch abgesetzt und nach Jerusalem zurückgekehrt ist, hat Paulus ihm ziemlich übel genommen (Apg. 15, 37-39).

Doch irgendwann haben sie sich wohl wieder versöhnt, denn Kolosser 4,10f wird berichtet, dass Markus zum Mitarbeiterstab des Paulus gehörte und auch im Philemonbrief (V. 24) wird Markus als Gehilfe benannt. Später, als Paulus sich in Rom im Gefängnis befindet, schickt er sogar extra nach Markus (2. Tim. 4,11). Man geht also davon aus, dass Markus das Martyrium von Paulus und Petrus in Rom aufs Nächste miterlebt hat und unter dem Eindruck dieser ersten großen Welle der Christenverfolgung sein Evangelium verfasste (nach 64, aber vor der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr.). Dies legt auch 1. Petr. 5,13 nahe.

Am griechischen Originaltext kam man ganz gut sehen, dass Markus häufiger römische Ausdrücke gebraucht, wo man eigentlich griechische erwarten könnte. Das lässt annehmen, dass er sein Evangelium im Blick auf die römische Gemeinde hin geschrieben hat. Dieser Verdacht wird dadurch erhärtet, dass er als einziger in seinem Evangelium Rufus erwähnt (Mk. 15,21), der zur Römischen Gemeinde gehörte (Röm. 16,13).

Inhaltliche Schwerpunkte:

Im Kolosserbrief (4,10f) schreibt Paulus, Markus ist Jude – bzw. Judenchrist. Die Zielgruppe, für die Markus schreibt, ist jedoch eine völlig andere als die des Matthäus. Während Matthäus sich an die Juden wandte und mit allen Mitteln versucht, ihnen Jesus als den Messias zu zeigen, wendet sich Markus an die Heidenchristen, denen die jüdische Religion ziemlich fremd war. Immer wieder erklärt er jüdische Bräuche und versucht, aramäische Begrifflichkeiten zu übersetzen.

Ebenso im Gegensatz zu Matthäus kommen bei ihm die Jünger nicht sonderlich gut weg. Hat Matthäus aus ihnen später die Träger der Weisheit gemacht, begreifen sie bei Markus oft gar nichts von dem, was Jesus eigentlich will (vergleicht einmal, wie die Begegnung auf dem Wasser bei Mt. 14,22-33 und Mk. 6,45-52 beschrieben wird).  Weitere Belege für dieses Nicht-Verstehen finden sich Mk 4,13; 6,52; 7,18; 8,17-21; 9,32; 10,38. Immer wieder rügt Jesus seine Jünger für ihr Verhalten: Mk. 8,33; 9,33f; 10,42f.

Was Markus mit dieser Sichtweise bezweckt, lässt sich nur ahnen. Vielleicht versucht er zu erklären, warum das Erdenleben des Messias bei den Juden damals keine größere Erweckung bewirkt hat. Wenn niemand verstand, wer Jesus war, wird deutlicher, warum der Jude Jesus nicht einfach das Judentum reformierte, sondern Gründer einer neuen Religion wurde, die nun nach Europa exportiert wurde. Für diese These spricht, dass Jesus im Markus-Evangelium immer wieder dazu aufforderte, niemandem von seinem Messiassein zu erzählen. Immer wieder trifft man hier auf das Schweigegebot (Mk. 1,34; 1,44; 3,12; 5,43; 7,36; 8,30; 9,9), das es so bei den anderen Evangelisten nicht gibt.

Markus hat eindeutig das kürzeste Evangelium des Neuen Testamentes verfasst. Das liegt zum Teil daran, dass er auf die Lehre Jesu keinen großen Wert legt. Zwar zeigt er immer mal wieder, wie Jesus zum Volk redet, den Schwerpunkt legt er jedoch auf die Taten, auf das Wirken. Größere Redeblöcke, wie wir sie bei Matthäus und ansatzweise auch bei Lukas finden, fehlen bei Markus völlig. Es ist ein Buch der Taten Jesu.

Zum Aufbau:

Markus ist übrigens der Einzige, der von seiner Schrift als „Evangelium“ spricht (Mk. 1,1). Bei den anderen „Evangelisten“ taucht dieses Wort, das so viel wie „Gute Botschaft“ bedeutet, nicht auf.

Wir hatten ja schon gesehen, dass der Aufbau der ersten drei Evangelien in etwa gleich ist.  Auch Markus schildert ausführlich Jesu Wirken in Galiläa (Kap. 1-9), in Kap. 10 den Weg nach Jerusalem, dann je 3 Kapitel Jerusalem und Passion/Auferstehung. Der einzige wichtige Unterschied: er verzichtet ganz auf die Kindheitsgeschichte Jesu und legt erst mit der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer los.

Merkwürdige Bibelverse:

Mk. 11, 25  Thema Vergeben: Und wenn ihr sehet und betet, so vergebt, wo ihr etwas wider jemanden habt, auf das auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Fehler.
Mk. 7,20-22 Thema Unsere Herzen: Was aus dem Inneren des Menschen kommt, das lässt ihn unrein werden. Denn aus dem Inneren, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken wie: sexuelle Zügellosigkeit, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Betrügereien, ausschweifendes Leben, Neid, Verleumdung, Überheblichkeit und Unbesonnenheit.
Mk.  1, 15 Thema Buße: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium.
Mk. 1,17 Thema Buße: Ich bin gekommen, zu rufen die Sünder zur Buße, und nicht die Gerechten.
Mk. 9,23 Thema Glaube: Alles ist möglich dem, der da glaubt.
Mk. 10,45 Thema Rettung: Denn auch des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zur Bezahlung für viele.
Mk. 14,38 Thema Wachsamkeit: Wachet und betet, dass ihr nicht in Versuchung fallet! Der Geist in willig, aber das Fleisch ist schwach.
Mk. 16,15 Thema Mission: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.

Zum Mitlesen und Abstreichen:

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